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Wien - Die Österreicher fühlen sich in der Freizeit im internationalen Vergleich wenig gestresst. Das zeigt eine in der Zeitschrift "Social Indicators Research" veröffentlichte Studie der Soziologen Max Haller, Gerd Kaup (beide Uni Graz) sowie Markus Hadler (Marshall University/USA). Demnach empfinden nur 14 Prozent der Österreicher oft bzw. sehr oft Stress in ihrer Freizeit. Am gelassensten sind die Schweizer (sieben Prozent), am meisten gestresst die Bulgaren (59 Prozent) und Philippinos (48 Prozent).

Für die Studie wurden im Rahmen des International Social Survey Programme (ISSP) in 36 Ländern rund 52.000 Menschen befragt, 1.000 davon in Österreich. Nach Ländergruppen zeigte sich, dass die Zentral- und Westeuropäer sowie die Ostasiaten ihre Freizeit am entspanntesten angehen. "Der Freizeitstress ist in Osteuropa, den USA und Südamerika, aber auch in Skandinavien deutlich höher", so Haller.

So fühlen sich etwa nur jeweils zehn Prozent der Franzosen und Niederländer, 18 Prozent der Deutschen sowie 13 Prozent der Südkoreaner und 16 Prozent der Japaner in der Freizeit gestresst - in Lettland, Ungarn und Slowenien sind es jeweils mehr als 40 Prozent, in Kroatien und Polen je 37 Prozent. In den USA empfinden 37 Prozent oft bzw. sehr oft Freizeit-Stress, in Großbritannien, Australien, Neuseeland und Irland jeweils um die 30 Prozent. In Lateinamerika sind die Argentinier (43 Prozent) am gestresstesten, auch Chilenen und Uruguayer (je 35 Prozent) sind eher unentspannt, während Mexikaner (24 Prozent) und Einwohner der Dominikanischen Republik (21 Prozent) fast "westeuropäisch" abschnitten. In Skandinavien sind Schweden (22 Prozent) verhältnismäßig entspannt, Norweger dagegen gestresst (41 Prozent).

Vielfältiges Angebot

Die Autoren führen das gute Abschneiden Österreichs bzw. anderer zentral- und westeuropäischen Staaten auf ein "vielfältiges Angebot an Freizeitinfrastrukturen zurück, aber auch auf Faktoren, die aus anderer Sicht häufig kritisiert werden". Haller nennt dabei etwa "die hierzulande rigiden Regelungen bzw. Beschränkungen der Ladenöffnungszeiten", die langen Urlaubszeiten und zahlreichen Feiertage, das niedrige Pensionsantrittsalter sowie die eher niedrige Erwerbsquote von Frauen mit Kindern.

Mangel an Stress bedeutet aber nicht unbedingt Langeweile: Die Zentral- und Westeuropäer fühlen sich in der Freizeit auch deutlich seltener gelangweilt als der Rest der Welt. In Österreich langweilen sich etwa nur 23 Prozent manchmal, oft bzw. sehr oft in der Freizeit. Zum Vergleich: Auf den Philippinen sind es 70 Prozent, in Südafrika 63 Prozent und in Mexiko 56 Prozent. Auch hier sind die Schweizer Vorbild: Nur elf Prozent ödet die Freizeit an. (APA, 15.6.2012)