Ähnlich regelmäßig wie Motorhead ein neues Album produziert, wird ein Blues-Revival ausgerufen. Der - ursprünglich - schwarze Sound von Lebensfrust und Lebenslust war aber ohnehin nie weg vom Fenster. Vor rund 13 Jahren hatten ihn die White Stripes in ihrer Garage in Einzelteile zerlegt, seit vier Jahren baut ihn ein kalifornisches Quartett wieder zu klassischen Muscle-Cars zusammen. Die Rede ist von den Rival Sons, einer Combo, die weniger der alten Illusion von Authentizität in der Rockmusik folgt denn einem Hang zur Archäologie.

Was die vier Buben so ausgraben, hat zuletzt in diversen Kontexten - etwa der von Punk geprägten Musikkultur - Konjunktur. Man denke an die Seelenverwandten Black Mountain oder Wolfmother, ein bisschen aber auch an die Alabama Shakes: Gitarrenriffs aus dem Fundus des Spätsechziger- und Frühsiebziger-Hardrock, selbstironisches Posen mit der Hand im Schritt, die röhrende Oh-yeah-Stimme zwischen Robert Plant und Janis Joplin, Bottleneck-Einlagen mit lässigem Groove, zwischen den Krachern die bevorzugt düsteren Akustikballaden, gern auch einmal Songs, die in locker-psychedelische Jams münden, immer aber voller Soul.

Auf bisher zwei Alben - ein drittes (Head Down) erscheint im August - haben die Rival Sons ihre Hommage an Bands wie Led Zeppelin, Free, Nazareth, Bad Company, Aerosmith, The Cult und die Black Crowes bisher gebannt: Before The Fire (2009) und zuletzt Pressure & Time (2011) klingen nach dem analogen, warmen Sound der 1970er, weil Sänger Jay Buchanan, Gitarrist Scott Holiday, Bassist Robin Everhart und Schlagzeuger Mike Miley auch auf alte Produktionstechnik setzen.

Wer sich den echten USA-Roadtrip nicht leisten kann (respektive die Tankfüllungen für den alten Ford Mustang), der bekommt bei den Rival Sons den Soundtrack zur virtuellen Highway-Fahrt serviert. Hardrock für ein ruhiges Gewissen sozusagen. Am Montag einzige Österreich-Show. (dog, DER STANDARD, 16./17.6.2012)