Paris - Die französische Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem (PS) will die Prostitution in Frankreich gesetzlich verbieten. "Mein Ziel wie auch jenes der PS ist es, die Prostitution verschwinden zu sehen", sagte die Sozialistin und Regierungssprecherin gegenüber der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche". Allerdings sei ihr klar, dass es sich dabei um ein "langfristiges Projekt" handle.

Schutz vor Zuhälterei

"Innenminister Manuel Valls und ich werden in der Frage nicht inaktiv bleiben", betonte Vallaud-Belkacem und stellte auch die Möglichkeit von Strafen für die Freier in Aussicht. Es handle sich nicht um ein "moralisches Urteil", sondern es gehe darum, "die immense Mehrheit der Prostituierten zu schützen, welche Opfer von Gewalt durch Zuhälter sind", betonte die Ministerin.

Nicht umgesetzte Entschließung

Gegenwärtig ist in Frankreich nicht Prostitution, sehr wohl aber Zuhälterei verboten. Unter der vorhergehenden konservativen Regierung von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy (UMP) hatte die französische Nationalversammlung eine Entschließung verabschiedet, welche ebenfalls das Verbot der Prostitution vorsah. Diese ist jedoch nicht verpflichtend und nicht gleichbedeutend mit einer Gesetzesvorlage.

Verlagerung in Peripherie

Schätzungen zufolge arbeiten in Frankreich gegenwärtig 18.000 bis 20.000 Prostituierte aus aller Welt. Laut einer Studie der Stiftung "Scelles" sind sie vor allem in der Peripherie von Großstädten, in Waldstücken in der Nähe von Wohnzentren, aber auch hinter der Fassade angeblicher Massageinstitute tätige. Bereits Anfang der 2000er Jahre hatte der ehemalige Präsident und damalige Innenminister Sarkozy der Prostitution den Kampf angesagt. Im Zuge dessen wurde die Prostitution aus der Pariser Innenstadt verbannt, diese verlagerte sich allerdings in die Vorstädte. (APA, 26.6.2012)