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Erste Aufnahmen der zerstörten Studios.

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Aufständische stürmten am Sonntag eine Militärbasis in Daret Azzah bei Aleppo und erbeuteten zahlreiche Waffen.

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Assad lehnt einen Rücktritt weiterhin ab und spricht von Krieg im eigenen Land.

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Damaskus/Istanbul - Nach mehr als 15 Monaten Protest und bewaffneten Aufstands versucht der syrische Staatschef Bashar al-Assad nicht länger Normalität im Land vorzugaukeln. "Wir sind im Kriegszustand", erklärte der angeschlagene Präsident in der Nacht auf Mittwoch bei einer Sitzung seines neuen Kabinetts.

Am frühen Mittwochmorgen stürmten Rebellen erstmals einen regimetreuen TV-Sender. Bei dem Angriff auf die Station Al-Ikhbariya, 20 Kilometer südlich von Damaskus, erschossen sie vier Sicherheitsleute und drei Journalisten und zerstörten Teile der Redaktion. Mindestens 27 Menschen kamen im ganzen Land um.

Krisentreffen in Genf

Angesichts der chaotischen Lage hat der UN-Sondergesandte für Syrien, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, zu einer Krisensitzung am Samstag in Genf eingeladen. An dem Treffen sollen die Außenminister der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China teilnehmen sowie die EU, Irak, Kuwait, Katar und die Türkei. Die Außenminister sollen über Wege zu einem Ende der Gewalt und über einen Plan für den politischen Übergang in Syrien beraten. Die diplomatische Initiative richtet sich im wesentlichen darauf, Russland, das Assad bisher unterstützt, Zugeständnisse abzuringen.

Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan hat seiner Ankündigung, es gelte von nun an Feuerbefehl auf syrische Militärs, die sich in bedrohlicher Weise der Grenze näherten, Taten folgen lassen. Am Mittwoch wurden türkischen Medienberichten zufolge 15 gepanzerte Fahrzeuge in Richtung Grenze verlegt. Vergangenen Freitag hatte Syrien einen türkischen Kampfjet abgeschossen. Zugleich versicherte der Premier aber wieder, die Türkei habe keine Absicht, Syrien anzugreifen.

Die Helme der Piloten und einige Wrackteile des Flugzeugs sind mittlerweile geborgen worden. Der Vater eines der mutmaßlich umgekommenen Piloten erklärte, er wolle nicht, dass die Türkei nun Feindseligkeiten gegenüber Syrien eröffnet. "Unser Land ist nicht ein Land, das wegen eines Piloten oder eines Flugzeugs in den Krieg zieht. Mein Sohn könnte tot sein, aber was zählt, ist, dass er seinem Land gedient hat", sagte Ali Ertan einer türkischen Zeitung.

Genauer Abschussort weiter unklar

Unklarheit besteht nach wie vor über den genauen Hergang des Abschusses. Nach Angaben türkischer Regierungsmitglieder wurde die Maschine 13 Seemeilen entfernt von der syrischen Küste - mitunter ist auch von 13 Meilen oder Kilometern die Rede - getroffen. Danach stürzte der Jet aber neun Seemeilen vor der Küste ins Meer. Das würde darauf hindeuten, dass er in Richtung Syrien fliegend abgeschossen wurde.

Einige Kommentatoren stellten auch die Frage, weshalb ein Kampfjet in der gegenwärtig kritischen Lage wenigstens fünf Minuten im Tiefflug durch syrisches Hoheitsgebiet fliegen musste. Weiter spekuliert wird, dass die Militärmaschine in Wahrheit das syrische und nicht wie offiziell angegeben das türkische Radarsystem testen sollte.

Die syrische Seite übergab mittlerweile einen Teil des Maschinenrumpfs. Er soll Einschusslöcher aufweisen. Das könnte bedeuten, dass die Maschine nicht durch eine Rakete, sondern durch Geschützfeuer von einem Schiff getroffen wurde. (Markus Bernath, DER STANDARD, 28.6.2012)