Wien - 95 Galerien haben sich bisher zur Viennafair angemeldet, die heuer erstmals an einem Herbst-Termin stattfindet, 115 sollen es werden. "Glücklich über die Resonanz und die Zusammenarbeit mit dem Auswahlkomitee" zeigte sich die neue künstlerische Leiterin Christina Steinbrecher, die am Mittwoch gemeinsam mit ihrer Kollegin Vita Zaman zwei Monate nach Dienstantritt des Duos nähere Details zur Wiener Kunstmesse bekanntgab, die vom 20. bis 23. September in der Messe Wien stattfindet.

Begleitprogramme tragen klingende Namen: "Vienna Quintet" ist eine Sonderausstellung mit Künstlern aus Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, der Ukraine und Weißrussland, "Vienna Talks" eine interdisziplinäre angelegte Gesprächsreihe, "Vienna Sonic" fasst Berührungspunkte zwischen bildender Kunst und Musik zusammen und "Vienna Click" soll den virtuellen Raum der Online-Welt miteinbeziehen.

Weiterer Führungsposten vorerst unbesetzt

Das Anfang Juni wieder abgesagte Engagement der vor zwei Monaten angekündigten weiteren Führungsperson, die Kontinuität am Standort Wien signalisieren hätte sollen, scheint am Veto einer Institution gescheitert zu sein, bei der der dritte Mann noch unter Vertrag gestanden sei. Geschäftsführer Markus Huber deutete an, entsprechende mediale Veröffentlichungen seien dabei nicht hilfreich gewesen. In der "Presse" war zuletzt Simon Rees, im MAK für "Museumsmanagement, kuratorische Grundsatzfragen und Fundraising" zuständig, für diesen Posten genannt worden.

Der austro-russische Investor Sergey Skaterschikov, treibende Kraft hinter der Neuaufstellung der Viennafair und Mehrheitseigentümer der VF Betriebsgesellschaft mbH, zeigte sich "sehr glücklich mit den gemachten Fortschritten" und freute sich auf eine "spektakuläre Veranstaltung": "Wir haben versprochen, guten Content zu liefern. Das haben wir gehalten."

Auftakt mit "Art Industry Forum"

Den Anfang macht das "International Art Industry Forum", das am 19. und 20. September führende Persönlichkeiten aus Kulturwirtschaft und Creative Industries zum Austausch über neue Modelle des Kunstinvestments nach Wien bringen soll. Jede Menge spannende Menschen würden dazu anreisen, kündigte Skaterschikov an: "Es werden wunderbare Gespräche. Die Welt wird sicher mitbekommen, dass sich in Wien etwas wichtiges abspielen wird."

Der Fokus aus Osteuropa bleibt bestehen, bisher sind 28 Galerien aus den Schwerpunktländern angemeldet, darunter - wenig überraschend - einige russische Galerien, die erstmals nach Wien kommen. Die Erste Bank setzt ihre spezielle Förderung dieses Schwerpunktes auch unter der dritten Messeleitung fort. Fortgesetzt wird aber auch der Fokus auf die aufstrebende Kunstszene Istanbuls, bei der sich heuer sechs Galerien präsentieren, oder Einzelpräsentationen in der "Zone1" auf jeweils 20 Quadratmetern.

"Art Vectors Investment Partnership"

Der Board des neuen, von Skaterschikov ins Leben gerufenen "Art Vectors Investment Partnership", bei dem ein Kunst-Investment Fonds in den kommenden fünf Jahren jeweils mindestens eine Million Euro für Ankäufe auf der Messe zur Verfügung stellen soll, tritt am kommenden Dienstag erstmals zusammen. Das von Ex-mumok-Chef Edelbert Köb zusammengestellte Gremium besteht aus Joseph Backstein, Direktor des Institute of Contemporary Art Moscow, Levent Calikoglu, Chefkurator des Istanbul Museum of Modern Art, Nicolaus Schafhausen, dem neuen künstlerischer Leiter der Kunsthalle Wien, und dem freien Kurator Rainald Schumacher.

Es soll nach einem "Buy and Hold Konzept" (so der wirtschaftliche Leiter Friedrich Kiradi) eine hochwertige Kunstsammlung mit dem Schwerpunkt auf Ost- und Südosteuropa aufbauen. "Ziel ist es, eine der renommiertesten Sammlungen dieses Raumes zu werden", sagte Kiradi. Diese soll nicht nur "werthaltig sein" (Köb), sondern mittels langfristiger Kooperationen mit Museen, Ausstellungshäusern und Galerien auch immer wieder der Öffentlichkeit in Ausstellungen zugänglich gemacht werden. (APA, 27.6.2012)