Frankfurt - Klare Worte von EZB-Chef Mario Draghi haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag deutlich ins Plus gehievt. Starke US-Auftragseingänge und gute Daten vom US-Arbeitsmarkt gaben zusätzlich Schützenhilfe, während schwache deutsche Unternehmenszahlen in den Hintergrund rückten.

Mit einem satten Aufschlag von 2,75 Prozent auf 6.582,96 Punkte ging der Leitindex DAX schließlich über die Ziellinie. Zwischenzeitlich hatte er sogar um knapp drei Prozent zulegen können. Der MDAX stieg um 2,36 Prozent auf 10.722,69 Punkte, und der TecDAX gewann 2,16 Prozent auf 772,57 Punkte.

Draghi hatte weitere Unterstützung für die Krisenstaaten signalisiert. "Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten", hatte der EZB-Chef gesagt. Wichtiger noch als die demonstrative Entschlossenheit werteten Händler Aussagen, die auf eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms hindeuten könnten. Ein Kapitalmarktexperte sagte dazu: "Wir wollen eins nie vergessen: Ein freizügiges Händchen in puncto US-Geldpolitik hat Amerika in der Vergangenheit die schönsten Kurszuwächse beschert und dies wird in der Eurozone mit einer notgedrungen immer liberaler werdenden EZB nicht anders sein." Die EZB mit Draghi werde wohl noch mehr Anleihekäufe durchführen, um den Kollaps der Eurozone zu verhindern, hieß es weiter.

Siemens und MAN rutschen nach Zahlen ab

Schwache Zahlen und unsichere Geschäftsaussichten ließen die Siemens-Aktien um 1,19 Prozent abrutschen. Der Elektrokonzern war unerwartet deutlich von der zunehmenden Kaufzurückhaltung seiner Kunden erfasst worden und versah das Gewinnziel mit einem Fragezeichen. Die DZ Bank stufte daraufhin die Aktie auf "Halten" ab. Bei MAN sorgte die Bilanzvorlage für noch deutlichere Kursabschläge von 5,74 Prozent. Damit landeten die Titel des Lkw-Herstellers auf dem letzten Platz im DAX. Vor allem der Gewinn habe die Erwartungen deutlich verfehlt, hieß es am Markt.

Die Vorzüge von VW verloren zum Börsenschluss nur noch 0,07 Prozent. Umsatz und operativer Gewinn waren im ersten Halbjahr etwas besser ausgefallen als von Experten prognostiziert. Allerdings hatte sich die operative Entwicklung angesichts einer verhalteneren Entwicklung in Europa im zweiten Quartal abgeschwächt.

Für die BASF-Papiere ging es um 2,85 Prozent nach oben. Der Chemiekonzern blieb trotz eines Gewinnrückgangs und zunehmender Konjunkturrisiken bei seinen Jahreszielen. Die Zahlen der Deutschen Börse fielen laut einem Analysten den Erwartungen entsprechend aus. Dass die Unternehmensziele leicht nach unten revidiert worden seien, habe der Markt bereits erwartet. Am Ende gewannen die Aktien des Börsenbetreibers 2,64 Prozent. (APA, 26.7.2012)