Berlin - Es sollte längst nicht mehr normal sein, täglich Fleisch zu essen. Zu diesem Resümee kommt die Soziologin Nik Taylor von der australischen Flinders University, wie der Australisch-Neuseeländische Hochschulverbund berichtet. 

In ihrem Bericht mit dem Titel "Reversing Meat-Eating Culture to Combat Climate Change" weist Taylor darauf hin, dass sich die Massenproduktion von Fleisch aufgrund verschiedener Faktoren dramatisch auf die Umwelt auswirkt. Dazu zählen beispielsweise der vermehrte Einsatz von Antibiotika zur Verhinderung von Erkrankungen der Masttiere, die Massenzucht auf engstem Raum und die weit verbreiteten Praxis, Pflanzen mit Pestiziden zu besprühen, um mehr Ertrag zur Fütterung der Tiere zu erzeugen.

"Aufgrund der erhöhten Fleischproduktion wird gerade bei der Rinderzucht viel Land gerodet und Unmengen an Wasser zum Tränken der Tiere verbraucht, die lediglich als 'Fleischlieferanten' dienen. Schätzungen zufolge gehen außerdem zwischen 18 und 50 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf Masttierhaltung zurück und diese Emissionen sind bekanntlich für den Klimawandel verantwortlich. Wenn wir das Züchten von Masttieren einschränken oder gar ganz darauf verzichten, werden wir unserer Umwelt also einen sehr großen Gefallen tun", sagt Taylor.

Vermeintliche Normalität

Beim Erstellen ihres Berichts zog Taylor aktuelle Untersuchungen heran, die sich mit dem Für und Wider einer fleischlosen Ernährung beschäftigen. Dabei kam Sie zu dem Ergebnis, dass der Konsum von Fleisch und Milchprodukten in der westlichen Welt so tief verwurzelt ist, dass regelmäßiges Fleischessen als normal angesehen wird und wir unsere Essgewohnheiten gar nicht erst hinterfragen. Vegetarier und Veganer würden dagegen als komisch, ja fast verrückt dargestellt. "Wir müssen einfach besser über eine pflanzliche Ernährung aufgeklärt werden. Viele denken, dass man sich dann nur von Grünzeug ernährt, tatsächlich sind die Möglichkeiten jedoch weitaus vielfältiger".

Viele werden Taylors Ziel nicht gerne hören: "Auf lange Sicht müssen wir etwas gegen die kulturelle Normalisierung des Fleischkonsums tun. Wir sollten nicht länger davon überzeugt sein, dass es unser gutes Recht ist, drei Mal täglich günstig Fleisch zu essen." Dennoch sieht sie Chancen für einen Wandel: "Statistischen Angaben zufolge haben 69 Prozent der Menschen ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zum Fleischessen und die meisten haben auch vor, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Die Bereitschaft ist also da, nun müssen wir nur noch die öffentliche Diskussion vorantreiben, um die Wissenslücken auf diesem Gebiet zu schließen." (red, derStandard.at, 5. 8. 2012)