Bild nicht mehr verfügbar.

Stuart Pearce (40) ist noch der Nearly Man

Foto: Reuters

Wenn Liz Pearce ihren Stuart Nearly Man nennt, dann ist der Coach der britischen Olympia-Fußballer seiner Frau nicht böse. Schließlich bezieht sich das "beinahe" nur auf die ballesterische Karriere des 40-jährigen Londoners Stuart Pearce, der auch ohne nennenswerten Titelgewinn zu einem Idol wurde. Pearce, der mit Nottingham und Newcastle je einmal das FA-Cup-Finale verlor, wäre zum Beispiel mit England beinahe ins WM-Finale 1990 eingezogen. Aber er und Chris Waddle vergaben im Halbfinale gegen Deutschland ihre Versuche im Elferschießen.

Pearce verließ damals weinend das Feld. Seiner Popularität tat das Missgeschick keinen Abbruch, denn Pearce, einer der besten Verteidiger seines Landes, arbeitete Fußball - kompromisslos, aber fair. Dass sich die Passion für den Sport zuweilen auch in seinen Gesichtszügen widerspiegelt, trug ihm den Spitznamen Psycho ein, mit dem Pearce auch nicht hadert. Seine 2000 erschienene Autobiografie trägt ihn als Titel.

"Viele Leute, die sich für Fußball interessieren, finden sich vielleicht in mir wieder", erklärte der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Pearce seine Beliebtheit. Dass sein Bruder Dennis in der rechtsradikalen British National Party aktiv ist, schadet seinem Ansehen nicht. Vor dem Engagement als Trainer beim englischen Verband distanzierte sich Pearce von dessen Gedankengut.

Erheblich geschadet hat die Nicht nominierung von David Beckham für Olympia. Zudem scheiterte Pearce an der Erstellung eines gesamtbritischen Teams. Schotten und Nordiren verweigerten sich, nur Waliser wollten mit den Engländern spielen. Der Truppe um Ryan Giggs (38) wurden kaum Medaillenchancen eingeräumt. Der Einzug ins Viertelfinale - nach einem Sieg über die höher eingeschätzten Uruguayer als Gruppensieger - lässt Pearce, der mit seiner Familie (eine Tochter) auf einer Pferdefarm in Wiltshire lebt, auf eine neue Wortwahl seiner Frau Liz hoffen. Der Nearly Man soll Vergangenheit sein. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 3.8.2012)