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Ein Kämpfer flüchtet nach einem Granateinschlag im Stadtviertel Salah ad-Din in Aleppo.

Foto: REUTERS/Goran Tomasevic

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Rauchwolken über Aleppo.

Foto: Reuters/Tomasevic

Aleppo - In der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo hat es nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London auch am Sonntag wieder heftige Gefechte gegeben. Die Armee von Präsident Bashar al-Assad beschoss demnach am Morgen das Viertel Salaheddin, das die bewaffneten Rebellen nach eigenen Angaben zur Hälfte kontrollieren. Laut Beobachtungsstelle gab es außerdem Kämpfe zwischen Aufständischen und Soldaten in drei weiteren Bezirken im Westen der 355 nördlich von Damaskus gelegenen Stadt. Dabei kamen demnach zwei Rebellen ums Leben.

Am Samstag war Salaheddin den Angaben zufolge das Ziel der schwersten Angriffe der Regierungstruppen seit dem Beginn der Kämpfe am 20. Juli. Landesweit wurden demnach mindestens 205 Menschen getötet - 115 Zivilisten, 52 Soldaten und 38 Rebellen. Zu den Zivilisten zählt die Beobachtungsstelle auch bewaffnete Kämpfer gegen die syrische Regierung, die vorher keine Soldaten waren. Nach Angaben eines Sicherheitsverantwortlichen steht die eigentliche Schlacht um Aleppo noch aus. 20.000 Soldaten hätten Stellung um die Stadt bezogen, und weitere Verstärkung sei unterwegs.

Angriff auf TV-Station

In der Nacht auf Samstag haben Rebellen das Gebäude des Staatsfernsehens in der umkämpften Metropole Aleppo angegriffen. Die Aufständischen hätten rings um das Haus Sprengsätze deponiert, seien dann aber bei dem Versuch, das Gebäude zu stürmen, von der syrischen Luftwaffe beschossen worden, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter mitteilt. Daraufhin hätten sich die Rebellen, die nach eigenen Angaben die Hälfte der Stadt kontrollieren, zurückgezogen.

Entführter Moderator ermordet

Auch ein Mitte Juli aus seinem Haus in Damaskus entführter Moderator des syrischen Staatsfernsehens sei ermordet worden: "Eine bekannte Persönlichkeit des syrischen Staatsfernsehens ist exekutiert worden und die Al-Nosra Front hat sich zur Tat bekannt", bestätigte der Leiter der OSDH, Rami Abdel Rahman gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Bereits am Freitag hatte die Al-Nusra Front in einer Mitteilung die Entführung und den Mord an Mohammed Al-Said verkündet: "Die Helden von Ghuta-West (Stadtteil von Damaskus, Anm.) haben den Moderator der (alawitischen, Anm.) Shabiha-Miliz am 19. Juli festgenommen, verhört und ihn anschließend getötet." Der Text wurde auf eine Webseite gestellt, auf der auch die Flagge der Al-Kaida zu sehen ist. Begleitet ist er von einem Foto des Moderators und dem Satz: "Dies soll all jenen als Lektion dienen, die das Regime unterstützen."

Der Direktor des syrischen Staatsfernsehens, Maan Saleh, wollte den Tod seines Mitarbeiters vorerst nicht bestätigen: "Wir haben bisher noch keine materiellen Beweise für seinen Tod", sagte er. 

Armee hat Kontrolle über Damaskus

Auch in der Hauptstadt Damaskus gab es schwere Kämpfe. Die Armee habe das südliche Viertel Tadamun "so heftig beschossen wie nie zuvor", teilte die Beobachtungsstelle mit. Auch im östlichen Bezirk Jobar gab es demnach Gefechte. Laut Sana ging die Armee auch hier gegen "Terroristen" vor. Eine "große Anzahl" von ihnen sei festgenommen oder getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur. Zudem seien Waffen beschlagnahmt worden. 

Die syrische Armee kontrolliert nach Angaben eines Generals wieder die gesamte Hauptstadt Damaskus. Der hochrangige Offizier, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte am Samstag vor Journalisten, die Armee habe das südliche Stadtviertel Tadamun zurückerobert. "Wir haben alle Bezirke von Damaskus gesäubert, von Midan bis Masseh, Kadam, Hajaar al-Aswad und Tadamun", sagte der General, der den Armeeeinsatz in Tadamun leitete. Dieser war nach seinen Angaben "auf Wunsch der Bevölkerung" erfolgt und dauerte von Freitagmorgen bis Samstagmittag.

Der der Opposition in Syrien nahestehenden Beobachtungsstelle zufolge wurden landesweit am Samstag mindestens 13 Menschen getötet, darunter jeweils sechs Menschen im östlichen Deir Essor und im Großraum Damaskus. Am Freitag starben demnach landesweit mindestens 84 Menschen, darunter 46 Zivilisten. Der blutig ausgetragene Konflikt im Land hält seit nunmehr eineinhalb Jahren an.

UNO zieht Hälfte der Beobachter aus Aleppo ab

In Aleppo haben die Vereinten Nationen laut Medienbericht die Zahl ihrer Beobachter deutlich reduziert. Ursache für den vorläufigen Abzug der Hälfte der Beobachter seien nicht die schweren Gefechte der vergangenen Tage, sondern technische Probleme, sagte eine UN-Sprecherin der "Süddeutschen Zeitung".

Der Zusammenbruch des Mobilfunknetzes in Aleppo zwinge die UN zu diesem Schritt. "Sobald unsere Kommunikationsmittel wieder funktionieren, werden wir die Beobachter zurücksenden", sagte die Sprecherin. Nach Informationen der Zeitung seien 14 der 28 UN-Vertreter abgereist. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte sich am Freitag für eine Fortsetzung der UN-Präsenz in Syrien auch nach dem Ablauf des Mandats der Beobachtermission Unsmis am 19. August ausgesprochen.

Nachfolger von Kofi Annan gesucht

Katar, das gegenwärtige Vorsitzland der Arabischen Liga, will keinen Nachfolger für den internationalen Syrien-Sondergesandten Kofi Annan akzeptieren, ohne dass dessen Mandat gründlich geändert wird. "Der einzige annehmbare Auftrag ist, auf eine friedliche Machtübergabe in Syrien hinzuarbeiten", sagte der Ministerpräsident von Katar, Scheich Hamad bin Jassem al-Thani, am Samstag dem TV-Nachrichtensender Al-Jazeera in Doha. Das Golfemirat Katar unterstützt gemeinsam mit Saudi-Arabien die syrischen Rebellen mit Geld und Waffen. (APA, 4.8.2012)