Bild nicht mehr verfügbar.

Beate Schrott peilt im Hürden-Halbfinale eine Zeit um 12,9 Sekunden an. Alles andere ergibt sich.

Foto: APA/Fohringer

derStandard.at: Hätten Sie jetzt ein bisschen Zeit?

Schrott: Ja, geht gut.

derStandard.at: Wobei störe ich gerade?

Schrott: Ach, ich beantworte SMS ...

derStandard.at: Wie war denn das Gefühl im Vorlauf? Sie wirken äußerlich ja sehr ruhig und entspannt.

Schrott: Nein, die Nervosität war schon sehr groß. Es ist ein Teufelskreis: Einerseits sind das die Olympischen Spiele. Etwas Besonderes. Und das weiß man auch. Andererseits geht damit auch eine besondere Anspannung einher.

derStandard.at: Ist es denn tatsächlich so anders, oder wird diese olympische Aura hauptsächlich von außen behauptet und draufgepropft?

Schrott: Doch. Es ist riesengroß und eine Wahnsinnsehre, dabei zu sein. Ich habe mir in den letzten Tagen einzureden versucht, es sei wie immer. Aber wenn man dann zum Wettkampf kommt, ist klar: Das ist das nicht. Ich konnte in der Nacht vor dem Vorlauf nicht schlafen, war zu nervös.

derStandard.at: Traf es sich insofern gut, dass Sie schon relativ früh drankamen?

Schrott: Für einen Vorlauf ist mir das auf jeden Fall lieber.

derStandard.at: Im Halbfinale, das erst abends angesetzt ist, wird das anders. Ist es schwierig, einen ganzen Tag vor sich zu haben, den man irgendwie strukturieren muss?

Schrott: Nein, gar nicht. Das bin ich gewohnt. Der Unterschied ist eher, dass die Anspannung vor einem Vorlauf extrem ist. Es geht ja ums Weiterkommen. Jetzt habe ich mein Ziel eigentlich schon erreicht, das Semifinale kann ich jetzt wirklich genießen.

derStandard.at: Folgen Sie am Wettkampftag denn einer bestimmten Routine?

Schrott: Üblicherweise schlafe ich relativ lange, unter Umständen verzichte ich auch auf den Wecker. Vier Stunden vor dem Wettkampf wach zu sein reicht, das kann ich in diesem Fall locker einhalten. (Start ist um 20.15 Uhr MESZ, Anm.). Ich möchte mir in jedem Fall das Speerwerfen mit Elisabeth Eberl ansehen, wahrscheinlich eher zu Hause vor dem Fernseher als im Stadion. Dann kurz bewegen, eine Viertelstunde vielleicht. Das hat mir vor dem österreichischen Rekord auch ganz gut getan. (lacht)

derStandard.at: In Ihrem Halbfinale liegen die Bestzeiten der Läuferinnen eng zusammen, alle bewegen sich innerhalb von etwa zwei Zehntelsekunden. Wie gehen Sie es an?

Schrott: Ich werde mich auf mich konzentrieren. Ich würde gerne eine für mich gute Zeit laufen, 12,90 Sekunden müssten im Bereich des Möglichen liegen. Alles andere lasse ich geschehen. Platzierungen kann man nicht beeinflussen, nur die eigene Leistung.

derStandard.at: Die Bahn in London gilt als schnell. Ist das etwas Atmosphärisches oder auch materiell begründet?

Schrott: Bei dem Belag in London wurde in der Anlage darauf geachtet, dass seine Noppen so ausgerichtet sind, dass sie dich in Laufrichtung minimal federn. Es geht um eine Optimierung hinsichtlich schneller Sprint-Zeiten. Als Läuferin selbst spürt man das eher nicht, finde ich. Man kann es aber an den Zeiten ablesen: der Endlauf der Frauen über 100 Meter war der schnellste den es je gab.

derStandard.at: Nervt es eigentlich - Olympia hin oder her -, von Wildfremden über Intimitäten ausgefragt zu werden, etwa wann man ins Bett geht, aufsteht oder was man liest? Harry Potter nämlich, wie ich den Agenturmeldungen entnehmen konnte ...

Schrott: Ich finde es eher lustig. Ich erfahre nämlich auch Neues - zum Beispiel, dass auch viele Journalisten Harry Potter lesen. (lacht) Ich bin übrigens beim letzten Teil. Meine Mentaltrainerin befürwortet das übrigens auch. Wir haben viel über die Call-Rooms gesprochen, in denen sich die Athleten 50 Minuten vor dem Start versammeln müssen. Es gibt zwei davon, und nur im zweiten kann man sich bewegen. Was macht man also? Für mich war das bis vor nicht allzu langer Zeit noch etwas, was nicht so leicht zu bewältigen war. Wir haben uns dann eine Art Beschäftigungsstrategie überlegt - und Lesen ist nicht die schlechteste. (Michael Robausch, derStandard.at, 6.8.2012)