Sängerin Teresa Rotschopf, umgeben von typischem Arbeitsmaterial, nahm Platz auf ihrem Lieblingssessel. Und der Schreibtisch stammt von der Oma.

Foto: Lisi Specht

Teresa Rotschopf geht es beim Wohnen vor allem um Charme. Die Sängerin von Bunny Lake erzählte Michael Hausenblas von ihren Wiener Orts- und Wohnträumen.

"Die Wohnung, von der ich erzähle, liegt zwischen der Mariahilfer und der Gumpendorfer Straße im 6. Bezirk. Bis zur Höhe des Apollo-Kinos hat sich die Gumpendorfer Straße sehr gut entwickelt, da gibt's tolle Lokale und nette Geschäfte. Ich dachte, das würde auch Richtung Gürtel so weitergehen, das ist aber nicht passiert. Weiter oben gibt's dann Läden, in denen man zum Beispiel sein Zahngold eintauschen kann. Zunächst fand ich das schade, aber dann war ich irgendwie ganz froh, dass sich die ganze Gegend hier ihren typischen, ursprünglichen Charme erhalten hat.

Gefunden hab ich die Wohnung im Jahr 2004. Ein Freund von mir wusste, dass hier etwas frei würde. Sie liegt im dritten Stock plus Mezzanin und ist - ich sag einmal - groß. Lift gibt es keinen. Ich würde die Wohnung, die sich in einem Altbau befindet, als charmant bezeichnen. Sie hat ein rundes Zimmer und ist klassisch wienerisch geschnitten. Alle Zimmer sind zentral begehbar, in jedem steht ein alter Kachelofen.

Es sind viele Dinge, die eine Wohnung charmant werden lassen. Das kann natürlich die Art der Einrichtung sein, das können aber auch gewisse Raumlösungen sein. Wenn man merkt, dass sich jemand wirklich etwas überlegt hat, wenn man den Spirit der Bewohner spürt, dann geht's in die richtige Richtung. Ideal ist es, wenn man in einem Raum eine Vorstellung von der Person bekommen kann, die darin wohnt, ohne dass man sie kennt.

Ich denke, man kann auch mich in meiner Wohnung spüren. Das ist mir wichtig. Ich fühle mich in einem Zuhause nur dann wohl, wenn mich dieses als Person repräsentiert. Ansonsten würde ich mich fremd fühlen.

Als Studentin hab ich für drei Jahre in der Zweitwohnung meiner Großmutter gewohnt. Die hatte 40 Quadratmeter und war total vollgeräumt. Als ich die Wohnung zum ersten Mal betrat, ich war 18 und kam gerade aus Salzburg, hab ich nur geheult. Da waren diese Teppiche, Rehfelle und getrockneten Blumen, die in diesen grünen Schwämmen steckten. Es war ein Horror! Schließlich bin ich in meine erste eigene Wohnung gezogen. Da passierte Folgendes: Mein bester Freund kam auf Besuch und sagte: 'Jetzt bist du so froh, dass du aus der Wohnung deiner Großmutter draußen bist, und dann richtest dich erst recht wieder wie eine Oma ein!' Ich hab halt lieber alte Sachen als neue, am liebsten Dinge zwischen 1900 und 1970. Ich finde ältere Dinge einfach charmanter, dabei ist mir ihre Geschichte völlig egal. Sie gefallen mir einfach besser.

Mein Lieblingsstück ist ein alter Drehstuhl mit Stahlrohrbeinen, der eines Tages vor der Haustür eines Nachbarn stand. Ich könnte nicht einmal sagen, aus welcher Zeit der stammt. Es könnte ein Frisörstuhl gewesen sein. Jedenfalls hab ich einen Zettel dran gepickt, ob er vielleicht zur Mitnahme sei? Und das war er dann auch. Das Stück hat genau diese Ausstrahlung, die ich meine. Der Sessel ist wie ein alter Opa. Ich hoffe, ich tu ihm nicht unrecht.

Beim Wohnen geht es darum, sich seine perfekte Welt im ästhetischen Sinne zu schaffen. Mit unbegrenzten finanziellen Mitteln könnte man dem natürlich näherkommen. Auch, was das Praktische betrifft: Ich mach lieber drei Handgriffe mehr, dafür schaut's dann aber gut aus. Wenn die Umgebung passt, hätte ich auch kein Problem, in einer Hütte zu leben. Ich muss keine Show abziehen, ich muss nicht repräsentieren.

Wenn ich auf Tour bin, schaffe ich es sogar, ein Hotelzimmer mit ein bisschen Umstellen und meinem Zeug so herzurichten, dass es meinem Wesen näherkommt. Das kann allerdings auf die Kosten derer gehen, die mit mir ein Zimmer teilen. Ich hab mehr einen Ortstraum als einen Wohntraum. Schön muss es sein. Und der Spirit muss passen." (DER STANDARD, 4./5.8.2012)