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Alte fossile Energiebereitstellung und neue Alternative: Künftige Klimavereinbarungen müssten Flexibilität beinhalten, meint Stern.

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Oslo/Brüssel/Washington - Es war ein schnelles Dementi: Die Vereinigten Staaten bestätigten in einer Aussendung, dass sie am UN-Ziel, die Erderwärmung bei plus zwei Grad beschränken zu wollen, festhalten wollen. Davor hatte es massive Kritik von der EU-Kommission, pazifischen Inselstaaten und Klimaschutzorganisationen gegeben. "Die USA wird dieses Ziel weiter unterstützen. Wir haben unsere diesbezügliche Politik nicht geändert", ließ der US-Sonderbeauftragte für Klimaschutz, Todd Stern danach verlauten.

Fast 200 Staaten, inklusive der USA, haben zugestimmt, die Erd erwärmumg auf maximal zwei Grad Celsius über vorindustriellen Werten zu beschränken, um so gefährliche Ereignisse und Kata strophen wie Fluten, Trockenheiten und steigende Meeresspiegel möglichst hintanzuhalten. Seit der Industrialisierung sind die Durchschnittstemperaturen bereits um 0,8 Grad Celsius angestiegen.

Neuer UN-Vertrag

Bei einem Vortrag hatte Stern dafür plädiert, vom Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad abzurücken. Er plädierte für einen "flexibleren Zugang", mit dem ein neuer UN-Vertrag angegangen werden solle. "Es ist wichtig, jetzt mit einem Regelwerk zu starten, das uns in die richtige Richtung führt", sagte er. Konkret sprach er sich für ein Abkommen aus, das ab 2015 eingeführt werden könnte und "vergangene Fehler" wie Inflexibilität nicht beinhaltet. Es sollte, meinte er, von Zeit zu Zeit modifiziert werden können, sodass neue Technologien berücksichtigt werden können. "Diese Art von flexi blem Vertrag kann nicht garantieren, dass wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen. Aber wenn wir darauf bestehen, wird das nur dazu führen, dass wir uns blockieren", sagte er in dem Vortrag. "Meine Ansicht ist, dass wir mit einem flexibleren Zugang bessere Chancen haben, unsere Klimaschutzziele zu erreichen.

Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, dass von dem UN-Zugang Abstand genommen werde, wonach "Verschmutzungsrechte", also die Zuteilung von Treibhausgasemissionen zwischen Ländern aufgeteilt werden - wie dies beim Kioto-Klimaschutzvertrag der Fall ist. "Dies würde uns nur in die Enge treiben" plädierte er für mehr Spielraum. Angesichts der stockenden Verhandlungen zu ei nem neuen Klimaschutzabkommen, das das auslaufende Kioto-Protokoll ablösen soll, sagte er, es sei besser, mit etwas Neuem zu beginnen, das Innovation und politische Unterstützung habe. Auf der Konferenz in Durban im Vorjahr wurde vereinbart, bis 2015 ein neues Klimaabkommen zu beschließen, das 2020 in Kraft treten soll.

Viele Experten erachten das Zwei-Grad-Ziel als kaum noch zu schaffen, da die Treibhausgasemissionen durch das Verbrennen fossiler Energien wie Kohle, Erdöl und Erdgas Jahr für Jahr stark zunehmen.

Laut UN-Daten war das Jahrzehnt bis 2010 das heißeste, seit es Aufzeichnungen gibt. Die Emissionen von Kohlendioxid, dem wichtigsten Treibhausgas, wuchsen 2011 weltweit um 3,1 Prozent auf einen neuen Rekord. Die größten Treibhausgasemittenten sind China, die USA, die EU, Indien und Russland. (Reuters/ruz, DER STANDARD, 9.8.2012)