Rom - Sieben Pyromanen sind wegen Brandstiftung in Italien verhaftet worden. Bei den Festgenommenen handelt es sich um Personen, die in flagranti erwischt wurden, berichtete der stellvertretende Chef des italienischen Försterkorps, Marco Pezzotta, nach Angaben der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" am Donnerstag. "Alle Brände in Italien sind auf den Menschen zurückzuführen. Einige davon sind gestiftet, andere brechen wegen Fahrlässigkeit aus. Im Sommer spielt die Trockenheit eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der Brände. Wo die Flammen toben, wird alles ausgelöscht", meinte Pezzotta.

Brandstiftung aus bauspekulativen Gründen

Obwohl die Strafen für das Vergehen "Waldbrandstiftung" sehr streng sind und vier bis zehn Jahre Gefängnis drohen, bleiben Brände nach wie vor eine sommerliche Plage in Italien. Viele Feuer werden aus bauspekulativen Gründen gelegt. Vor allem in Süditalien wolle man dadurch die staatliche Aufforstung erzwingen, berichteten Experten. Für die Forstarbeiten würden dann Arbeitslose aus der Region eingesetzt. In vielen Gegenden in Süditalien liegt die Arbeitslosigkeit bei weit über 20 Prozent. Jeder zweite Jugendliche ist ohne Job.

Zwei Rentner sind am Mittwoch bei Bränden in der norditalienischen Region Emilia Romagna ums Leben gekommen. Auch auf Sizilien toben seit Tagen schwere Brände vor allem im Raum von Palermo. Besonders stark betroffen ist das "Zingaro"-Naturreservat im Nordwesten der Insel bei San Vito Lo Capo. Palmen und Wildpflanzen wurden dort ein Raub der Flammen. Allein im Großraum von Neapel wurden von den Feuerwehrmannschaften 30 Brände gelöscht. Auch die süditalienische Region Kalabrien wurde von den Flammen schwer belastet. Seit Jahresbeginn wurden in Italien 4.700 Brände gemeldet, teilten die Behörden mit.

Der Umweltaktivist und Parlamentarier Ermete Realacci rief die Regierung auf, verstärkt finanzielle Ressourcen zum Schutz der Wälder vor den Flammen zur Verfügung zu stellen. Wegen der starken Einsparungen der Regierungen seien die Ausgaben für Hubschrauber und Flugzeuge stark reduziert worden, die zur Brandlöschung eingesetzt werden, klagte Realacci. Damit vereinfache man Pyromanen das Leben.

Auch die hohen Temperaturen spielen eine wichtige Rolle. Nach Angaben des Landwirtschaftsverbands Coldiretti lagen die Werte in Italien im Juli um 1,94 Grad höher als im Durchschnitt. Damit erlebte Italien den sechstheißesten Juli der vergangenen zwei Jahrhunderte. Wegen der hohen Temperaturen und der Dürre seien für die Landwirtschaft Schäden in Höhe von einer halben Milliarde Euro entstanden. Bei der Maisproduktion kam es zu einem 30-prozentigen Rückgang. Bei der Tomatenproduktion wurde ein Minus von 20 Prozent gemeldet, so Coldiretti. (APA, 9.8.2012)