Meistens hält er sich nicht so streng an die Verkehrsregeln. Gerne versucht der Radler, sich bei Rot noch mit einem schnellen Tritt in die Pedale über die Kreuzung zu schummeln. Stehen bleiben und wieder aufsitzen kostet schließlich Zeit und Kraft. Elegant ist es auch nicht. Quer über einen Platz oder mitten durch eine Fußgängerzone wird immer wieder gerne geradelt. Und zwar selbst dann, wenn um den Platz / die Fußgängerzone herum ein prächtiger Radfahrweg führt. Es sind diese schnellen, lautlosen Verkehrsübertretungen der Radfahrer, über die sich Nichtfahrradfahrer so ärgern.

Ein Nummernschild auf den Rädern sorgt mit sanftem Druck dafür, dass der Radfahrer sich als das begreift, was er schon längst ist: ein Teil der Verkehrsgemeinschaft, an deren allgemeinen Regeln er sich zu halten hat. Mit einem Kennzeichen auf dem Gestänge unter seinem Hintern wird er mehr darauf achten als bisher. Weil er nämlich sonst einen Strafzettel kriegt - wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Das Rad ist ein Massenverkehrsmittel geworden, da braucht es Kennzeichnung - auch, weil immer mehr Elektrofahrräder unterwegs sind.

Das viel gehörte Argument, die Kennzeichentafel für Räder sei bürokratisch, mag schon stimmen. Aber es gibt wahrlich unnötigere Bürokratie. Und die Kennzeichentafel, flächendeckend eingeführt, könnte so manchen Dieb abschrecken. (DER STANDARD, 14./15.8.2012)