Wien - Vor zweieinhalb Wochen ist der Wiener Wirtschaftsanwalt Erich Rebasso entführt worden - seither gibt es von dem 48-Jährigen kein Lebenszeichen. Wie die Polizei heute, Dienstag, bestätigte, ist eine Lösegeldforderung bei der Familie eingegangen. Die Tageszeitung "Österreich" berichtete von 500.000 Euro. Ob diese tatsächlich von den Kidnappern stammt, war unklar.

Die Ermittler hüllen sich in Schweigen. Die Forderung sei bereits in den ersten Tagen nach der Entführung eingegangen, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger, der keine Details dazu bekanntgab. "Diese Art von Berichterstattung ist geeignet, das Leben eines Entführten ernsthaft zu gefährden", begründete er die bisherige Geheimhaltung der Forderung durch die Polizei. Die Forderung wurde per E-Mail übermittelt.

Laut dem Zeitungsbericht sollen mittlerweile auch die Entführer Rebassos identifiziert sein. Hahslinger wollte sich dazu nicht äußern. Die Ermittlungen würden in derselben Intensität fortgesetzt.

Verschleppt

Erich Rebasso ist am 27. Juli 2012 aus einer Tiefgarage in der Wiener Innenstadt verschleppt worden, als er mit seinem Mercedes-Geländewagen zu einem Termin nach Niederösterreich aufbrechen wollte. Der Wagen sowie ein Auto, das die Täter gemietet hatten, wurden von Überwachungskameras in der Garage erfasst, die Aufnahmen wurden nicht veröffentlicht. In beiden Fahrzeugen wurden Blutspuren gefunden - DNA-Analysen zufolge stammen sie von Rebasso. Der Mercedes war vier Tage später auf einem Parkplatz in Simmering gefunden worden, der Mietwagen wurde retourniert.

Die Ermittlungen konzentrierten sich von Beginn in Richtung Russland, wo der Advokat zahlreiche Klienten hat. Beamte des Bundeskriminalamtes (BK) reisten im Zuge ihrer Ermittlungen daher mindestens einmal nach Moskau.

Vor einigen Jahren wurde der Name des Anwaltes in einem Fall von Anlegebetrug in Russland verwickelt. Dabei wurden 25 bis 30 Privatanleger um je 50.000 bis 60.000 Euro geprellt. Rebasso ging damals zur Polizei und gab an, dass sein Name in der Betrugscausa missbräuchlich verwendet worden war und er selbst nicht beteiligt war. Dazu hatte der Anwalt damals in Österreich sogar Selbstanzeige erstattet. Das Verfahren gegen ihn wurde später von der österreichischen Justiz eingestellt. Dennoch langten vonseiten der Betrogenen schriftliche Drohungen in seiner Anwaltskanzlei ein. (APA, 14.8.2012)