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Einem neuen Index zufolge ist es um das Meer vor den Küsten Sierra Leones am schlechtesten bestellt.

Foto: APA/EPA/Bothma

Santa Barbara - Der Mensch setzt den Weltmeeren schwer zu. Ihre Ressourcen werden rücksichtslos geplündert, ganze Ökosysteme verpestet. Wissenschafter und Umweltschützer schlagen Alarm. Sie warnen vor irreparablen Schäden. Die allermeisten Untersuchungen zur Lage der Weltmeere befassen sich gleichwohl nur mit Teilaspekten. Das erschwert nicht nur fundierte Einschätzungen, sondern auch die Entwicklung von Schutzprogrammen. Es fehlen schlichtweg viele Grundlagen.

Ein Team aus US-amerikanischen und kanadischen Forschern hat hier nun Abhilfe geschaffen. In einer Online-Vorabveröffentlichung der Fachzeitschrift Nature präsentierten die Experten heuer den ersten standardisierten Index zur Bewertung des Gesamtzustandes von Meeresgebieten. Das Beurteilungssystem basiert auf zehn Hauptkriterien. Biodiversität gehört ebenso dazu wie die Fähigkeit des Ozeans, große Mengen klimaschädliches CO2 zu speichern.

Die Studie berücksichtigt nicht nur ökonomische, sondern auch soziale Faktoren. "Menschen sind Teil eines jeden Ökosystems auf unserem Planeten", sagt ihr Erstautor Benjamin Halpern, Ökologe an der University of California in Santa Barbara, dem Standard. Deshalb wurden auch bestimmte "Serviceleistungen" der Meere wie etwa Nahrungsangebot und Erholungsmöglichkeiten in die Beurteilung aufgenommen.

Für die Weltmeere insgesamt benoteten die Wissenschafter den Zustand mit 60 von maximal 100 Punkten. Einzelne Gebiete und Nationen schneiden sehr verschieden ab. Die höchste Punktzahl, 86, erreicht die unbewohnte Südpazifikinsel Jarvis Island. Sierra Leone hat mit 36 den niedrigsten Score. Gut fällt die Bewertung von Deutschlands Meeresgebieten aus. Hier vergaben die Experten 73 Punkte, was vor allem dem gut gestalteten Küsten- und Biotopschutz zu verdanken ist.

Im Allgemeinen erreichen die Industrienationen höhere Punktzahlen als Entwicklungsländer. Erstere haben eher die Möglichkeit, Ressourcen für Schutzmaßnahmen und Programme zur nachhaltigen Bewirtschaftung bereitzustellen, erklärt Halpern. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Polen erhält laut Index nur 42 Punkte, unter anderem weil es seinen maritimen Tourismus nicht sinnvoll entwickelt.

Sorgenkind ist vielerorts die Fischerei. Überfischung schadet den Ökosystemen und auch den Zukunftsperspektiven der Fischer. In Kuba sieht es anders aus. Dort wird das fischereiwirtschaftliche Potenzial nicht ausgeschöpft. Denn die Regierung begrenzt den Einsatz von Booten. Wegen Fluchtgefahr. (Kurt de Swaaf /DER STANDARD, 16.8.2012)