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Gold ist eine globale Krisenwährung. Nicht nur im Zuge der Eurokrise, auch im unter Sanktionen leidenden Iran steht es hoch im Kurs. Hier offeriert ein Händler am Teheraner Basar Goldmünzen.

Foto: EPA/Salemi Vahid

Der Goldpreis genießt den Ruf, ein Fieberthermometer des Geldes zu sein. Je mehr die Währung an Kaufkraft verliert, desto teurer wird das Edelmetall. Dieses Muster wird durch die Krise in den letzten Jahren teilweise außer Kraft gesetzt. In der Regel gilt es aber heute noch.

Dollar härter als Euro

Wir haben 2012, ein veritables Krisenjahr für die Eurozone. Ein Jahr, das den Goldpreis weiter nach oben treibt. Das verspätete Inkrafttreten des Eurorettungsschirms ESM, das drohende spanische Banken-Hilfsgesuch oder Griechenlands chronische Geldnöte haben ihren Teil dazu beigetragen, den Preis der Krisenwährung Gold in Euro um über acht Prozent steigen zu lassen. Entgegen der Regel half auch die abnehmende Teuerung nichts. Dass die Inflation in der EU unter drei Prozent gefallen ist, konnte dem Wert des Edelmetalls nichts anhaben. Zumindest in Euro, denn in Dollar ist der Goldpreis praktisch der gleiche wie zu Beginn des Jahres.

Anders 2011. Letztes Jahr gesellte sich in Europa zur politischen Dauerkrise auch noch die Inflation. Mit ein Grund, warum der Goldpreis noch stärker stieg als in den ersten acht Monaten dieses Jahres. Kostete eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) im Jänner noch 1.050 Euro, kam sie im Dezember auf 1.200 Euro. Ein Preisanstieg von über 14 Prozent. In Dollar waren es "nur" knapp elf Prozent.

Goldpreis dürfte weiter steigen

2012 geht die Teuerung in der EU und in den USA zurück. Vor allem in den Vereinigten Staaten kratzt sie an der zwei Prozent Marke. Daraus den Schluss zu ziehen, dass der Goldpreis sinkt, könnte aber falsch sein. Zumindest langfristig. Denn: Das Edelmetall beschreitet in den letzten zehn Jahren in der Regel einen Weg – den nach oben. 2002 bekamen die Anleger eine Feinunze Gold noch für 280 Dollar oder 310 Euro, heute müssen sie dafür 1.600 Dollar oder 1.300 Euro hinlegen. Ist man in der glücklichen Lage, Gold so lange zu halten, bekommt man heute knapp fünf Mal so viele Dollars und über drei Mal mehr Euro dafür.

Der Vermögensverwalter und Rohstoffexperte Uwe Bergold hat in einem Interview mit derStandard.at für 2012 bereits einen Goldpreis von 3.000 Dollar vorausgesehen. Das dürfte sich nicht ausgehen, ist in den nächsten Jahren aber im Rahmen der Möglichkeiten. Die Hauptargumente dafür: Ein etwaiges massives Eingreifen der Zentralbanken, um ganze Länder zu stützen, birgt Inflationsgefahren und erhöht den Goldpreis. Zweitens ist nur ein kleiner Teil des weltweiten Finanzvermögens golden. Über 2.400 Milliarden Euro, immerhin mehr als das Bruttoinlandsprodukt Frankreichs, sind in Gold angelegt. Über 186.000 Milliarden Euro schwirren an Finanzvermögen herum. Nur 1,3 Prozent davon entfallen also auf Gold. Der Anteil war schon weit höher, aber auch niedriger. Im Zuge der zweiten Ölkrise 1979/1980 waren es fast drei Prozent, am Höhepunkt des Aktienbooms 2001 nur 0,2 Prozent, schätzen die Investmentanalysten von Casey Research und die Rohstoff-Verkaufsberater der CPM Group.

Deutsche horten wieder mehr

In Krisenzeiten ist Edelmetall gefragt. Dabei folgt der Goldkauf privater Anleger widersprüchlichen Mustern. So würde man denken, dass gegenwärtig vor allem Menschen in Eurokrisenländern wie Griechenland, Italien oder Spanien Gold kaufen. Nein, es sind die Deutschen! Von Kiel bis Garmisch-Partenkirchen legte man sich allein in den letzten drei Monaten 34,2 Tonnen in die Tresore. In Frankreich und Italien ist die Nachfrage sogar zurückgegangen.  Im "übrigen Europa", einer Rubrik, in der sich auch Österreich befindet, wurden im zweiten Quartal 25,5 Tonnen gekauft, berichtet der World Gold Council.

Die fleißigen Goldkäufer sind es auch, die die Nachfrage nach dem Edelmetall wieder etwas in Richtung Westen verschieben. Aktuell landet nur ein Drittel der Goldverkäufe in Nordamerika und Europa. Knapp 60 Prozent werden in Indien und Ostasien abgesetzt, wo das Edelmetall vorwiegend in der Schmuckherstellung verwendet wird.

Eine Schattenwährung wird aber immer eine Schattenwährung bleiben. Für die Politiker ein Ansporn, mit ihren Weichenstellungen den Euro wieder fit zu machen. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 20.8.2012)