Wien - Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität (WU) will beim Masterstudium eine Beschränkung der Studienplätze erwirken. Badelt hat bereits im Mai einen Antrag auf Zugangsbeschränkungen nach dem sogenannten "Notfallparagrafen" gestellt, heißt es in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle.

Der Antrag auf Beschränkung der Studienplätze nach dem "Notfallparagraf" 124 b des Universitätsgesetzes (UG) sei auf Aufforderung des Ministeriums gestellt worden, betont man im Rektorat der WU gegenüber der APA. Die WU hatte sich bereits 2011 gegen die Unterfinanzierung der Universitäten gewehrt und wegen der weit über den tatsächlichen Kapazitäten liegenden Zahl an Bachelorstudenten auf dem Rechtsweg zusätzliche Geldmittel erstritten.

Sieben Masterstudien wären betroffen

Im Kontext dieses Schiedskommissionsverfahrens hat das Ministerium die WU auf den "Notfallparagrafen" aufmerksam gemacht, heißt es dort gegenüber derStandard.at. Vorgesehen ist die Regelung nach Paragraf 124 b für Fälle, in denen wegen deutscher Numerus-Clausus-Flüchtlinge "unvertretbare Studienbedingungen" entstehen. Dies gilt beispielsweiße für die Medizinstudien, Psychologie und Publizistik. Konkret soll es an der WU für sieben deutschsprachige Masterstudien künftig nur noch 700 Anfängerplätze pro Jahr geben, was laut WU den tatsächlichen Kapazitäten entspräche. Im Wintersemester 2011/12 gab es rund 1.050 Master-Anfänger. Derzeit müssen dort für deutschsprachige Masterstudien nur bestimmte formale Voraussetzungen erfüllt werden, lediglich bei den englischsprachigen Studien gibt es Aufnahmeverfahren.

Chancen gering

"Wir führen derzeit Gespräche mit dem Koalitionspartner betreffend Studienplatzfinanzierung und Kapazitätsfragen, zum anderen laufen die Verhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen. Den Antrag der WU gilt es auch in diesem Kontext zu sehen", schreibt das Wissenschaftsministerium in einer Stellungnahme. Auf die Frage, wie die Chancen der WU stehen, mit ihrem Ansuchen auch durchzudringen, heißt es: "Unser Ziel ist es, in den Verhandlungen zur Studienplatzfinanzierung eine künftige Lösung zu erreichen, die den Antrag zumindest mittelfristig obsolet machen würde".

Tatsächlich ist es eher unwahrscheinlich, dass die WU ihren Antrag durchbringt: Sie ist bereits 2009 mit ihrem Wunsch gescheitert, wegen der rasant gestiegenen Zahl an Neuinskribierten Beschränkungen nach dem "Notfallparagrafen" für das Bachelorstudium "Wirtschafts- und Sozialwissenschaften" einzuführen.

Der "Notfallparagraf" verlangt nämlich, dass alle Unis, die das betreffende Fach anbieten, gemeinsam einen Antrag an das Ministerium stellen. Schließlich muss noch die Bundesregierung zustimmen. Laut dem Ministerium hat aber keine andere Universität einen solchen Antrag eingebracht. Die WU versuchte es 2009 im Alleingang mit dem Argument, dass sie als einzige Universität ein solches Studium anbiete. Auch diesmal verweist sie darauf, dass es zwar vergleichbare Studien, aber keine mit dem gleichen Studienplan gebe. 

Badelt wünscht sich 330 neue Plätze

Badelt will jedoch nicht nur für Zugangsbeschränkungen, sondern gleichzeitig auch für eine Finanzierung zusätzlicher Masterplätze kämpfen: Ein Ausbau sei eine der "Kernforderungen" im Entwurf zu den neuen Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2013 bis 2015, die bis Ende des Jahres mit dem Ministerium ausverhandelt werden. 330 neue Plätze wünscht sich Badelt in den deutschsprachigen Masterstudien, erklärte er in seinem Blog auf der Homepage der WU. (APA/red, derStandard.at, 21.8.2012)