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Syriens Vizepräsident Faruk al-Sharaa dementiert seine Ablöse.

Foto: APA/EPA/Badawi

Auf der Homepage der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana war sein Profil jedenfalls am Dienstag nicht (mehr?) zu finden, weder in der Rubrik Regierungsmitglieder noch beim Präsidenten: Gleichzeitig wurde in Syrien dementiert, dass der syrische Vizepräsident Faruk al-Sharaa abgelöst worden sei. Ein entsprechender Tweet von Außenminister Walid al-Muallem sei eine Fälschung. 

Letzteres ist möglich, denn auch die Meldung der Free Syrian Army, dass Sharaa abgesprungen und in Jordanien sei, erwies sich als falsch. Wer jedoch den Wortlaut des Absprung-Dementis aus dem Büro Sharaas liest, sieht bestätigt, was die Spatzen in Damaskus von den Dächern pfeifen: Der Vizepräsident ist nicht auf Linie des Regimes - das nur auf Gewalt setzt -, wenn er in seinem Statement so deutlich den "Dialog mit allen unterschiedlichen Parteien" einfordert, um "das Blutvergießen zu beenden, damit ein politischer Prozess im Rahmen eines nationalen Dialogs" beginnen kann.

Sharaa suchte den Dialog

Schon früh gab es Gerüchte über die Marginalisierung des 73-Jährigen, der seit 2006 Vizepräsident und vorher 22 Jahre lang syrischer Außenminister war. Sharaa, Vater zweier erwachsener Kinder, ist Sunnit und stammt aus Daraa, wo im Frühjahr 2011 der Aufstand mit einer exzessiven Antwort der Behörden auf die Schmierereien einiger Kinder begann. Sharaa suchte den Dialog. Als die Arabische Liga später für Syrien eine "jemenitische Lösung" - eine Übergangsregierung unter dem Vizepräsidenten - vorschlug, mutierte Sharaa von der langjährigen Stütze des Präsidenten in dessen Augen endgültig zum Verdächtigen.  

Sharaa war die Stimme des Regimes von Hafiz al-Assad nach außen, eloquent und aggressiv, besonders Israel gegenüber. Nach seinem Englischstudium arbeitete er für die Syrian Air, bevor er in den 1970er-Jahren in die Baath-Partei und ins Außenministerium eintrat. Parallel zum Aufstieg zum Chefdiplomaten kletterte er auch die Parteiränge nach oben.  

2006 beerbte Sharaa Vizepräsident Abdulhalim Khaddam, der nach eigener Aussage 2005 deshalb gegangen war, weil er die Libanon-Politik Ba shar al-Assads nicht mittragen wollte. Wahrscheinlicher ist, dass Khaddam den schleichenden Machtverlust der Alten nicht verkraftete - in dessen Kontext wohl auch Sharaas Entfernung aus dem Außenministerium gehört. Denn Vizepräsident wird in so einem Regime keiner, der eine echte Gefahr darstellt. (Gudrun Harrer/DER STANDARD Printausgabe, 22.8.2012)