Wien - Neun Jahre nach der Pleite des Fruchtimporteurs Obst Huber kommt dessen Eigentümer, der Lambacher Spediteur Richard Gartner, vor Gericht. Bei der ersten Tagsatzung am 25. Juli wurde der Prozessfahrplan fixiert: Die erste Verhandlung am Landesgericht Wels mit Beschuldigteneinvernahme findet am 27. November statt. So der Prozessfahrplan hält, könnte der Richtersenat unter Stefan Pfarrhofer bereits am 5. Dezember ein Urteil sprechen.

Die Anklage - vertreten durch Staatsanwalt Christian Hubmer - wirft dem Lambacher Spediteur schweren Betrug und betrügerische Krida vor. Gartner habe Obst Huber, eine Tochter der Gartner KG in Edt bei Lambach, zu spät, nämlich erst 2003, in die Insolvenz geschickt, obwohl die Zahlungsunfähigkeit bereits früher erkennbar gewesen sei und sohin Gläubigerinteressen geschädigt worden seien.

Gartner, für den die Unschuldsvermutung gilt, bestreitet die Vorwürfe. Die Zahlungsunfähigkeit sei nicht erkennbar gewesen, auch die Kreditlinien (der Oberbank, Anm. d. Red.) wären immer offen gewesen. Außerdem sei Fruchtimporteur Obst Huber immer Teil der Gartner KG, also in ein größeres Gebilde eingebettet gewesen.

27 Millionen Euro an Forderungen

Genau das ist aber ein Streitpunkt. Denn betrügerische Krida lastet die Anklagebehörde dem Transportunternehmer deshalb an, weil eigenkapitalersetzende Darlehen an Unternehmen der Gartner-Gruppe seinerzeit noch schnell befriedigt worden seien, andere Gläubigerforderungen hingegen aber offen blieben, wie Staatsanwalt Hubmer auf Anfrage des Standard ausführt. Er beziffert die angemeldeten und anerkannten Forderungen im Obst-Huber-Konkurs mit rund 27 Millionen Euro.

Allein 20,3 Mio. Euro resultierten aus Vorauszahlungen, die Gartner an seinen Hauptlieferanten, den türkischen Fruchtexporteur, Tüfekci in Izmir, geleistet hatte, ohne im Gegenzug ausreichend Waren zu bekommen. Als die Millionen endgültig als uneinbringlich galten, schlitterte Obst Huber ebenso in Insolvenz wie Tüfekci, an dem Gartner 49 Prozent hielt. Zu spät, wie es in der Anklageschrift heißt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Zahlungsprobleme ab August 2002 erkennbar waren, zumal Gläubiger gewechselt wurden.

Offen ist, ob es in der Causa um Frachtmanipulationen von ÖBB-Güterzügen durch Gartner zur Anklage kommt. Das Landeskriminalamt Linz errechnete 2,098 Mio. Euro Schaden, Gartner bestreitet die Vorwürfe. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 23.8.2012)