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Erich Honecker wollte zwei Saarländer an der Spitze sehen: Sich selbst und Oskar Lafontaine.

Foto: APA/EPA/JENS BUETTNER

Berlin - Der frühere DDR-Machthaber Erich Honecker hat nach neuen Forschungen noch kurz vor dem Zusammenbruch der SED-Herrschaft über eine deutsch-deutsche Föderation nachgedacht.

Diese hätte dann vom Saarländer Honecker in Ostdeutschland und vom Saarländer Oskar Lafontaine im Westen geführt werden sollen, sagte der Historiker Martin Sabrow der Online-Ausgabe der "Zeit". Manche Indizien deuteten darauf hin, dass Honecker einem sentimentalen Saarpatriotismus nachhing, sagte der Leiter des Potsdamer Zentrums für Zeithistorische Forschung. Honecker, der am 25. August 100 Jahre alt geworden wäre, stammt wie Lafontaine aus dem Saarland. 

Keine Biografie aus einem Guss

Die Biografie Honeckers sei viel sprunghafter gewesen als in der geglätteten Erzählung der DDR, so Sabrow. Die Repräsentation der Eliten sei nicht auf individuelles Charisma ausgelegt gewesen, sondern auf Funktions- und Passfähigkeit im Parteiapparat. So habe Honecker einmal im mittleren Alter bei einem seiner Besuche auf der Krim in einem kurzen Matrosenanzug posiert. "Das zu veröffentlichen war undenkbar, das Ministerium für Staatssicherheit hat solche Bilder sofort unter Verschluss genommen", sagte der Historiker.

Honecker starb 1994 mit 81 Jahren im Exil in Santiago de Chile. Zuvor war in Berlin ein Prozess gegen den schwer krebskranken Ex-Spitzenfunktionär wegen der Schüsse auf DDR-Flüchtlinge eingestellt worden. (APA, 25.8.2012)