Statt noch mehr Arbeitszeit mit Kärntner Zuständen zu verbringen, reizte es mich, die Zustände nicht nur künstlerisch zu durchleuchten. Sondern ganz profan. In der Freizeit. Am See und zu Land. Mit Hund und Kegel. Deswegen im Hundehotel.

Dem Hund ging es nicht anders als einem gerüttelt Teil der Kärntner Wähler. Der Hund erbrach mehrmals, erst knapp nach Wolfsberg, dann noch einmal vor Klagenfurt. Dort machten wir eine Gnadenpause, kehrten am Markt ein, verspeisten großartiges Risotto und bewunderten die Auslage der FPK. "Achtung Videoüberwachung" klebte am Schaufensterglas. Dahinter grinsten eine kartonierte Scheuchhälfte und ein ganzer kartonierter Dörfler. Ob nun Sympathisanten verewigt oder sicherheitshalber Feinde abgelichtet werden sollten, ging nicht daraus hervor.

Ich dachte - wieder einmal - an den "Krötensager" und kam zum Schluss, dass - sollte er wirklich so gefallen sein - Kurt Scheuch seinen Bruder für ein lästiges Insekt halten dürfte. Kröten sind nämlich, im Gegensatz zu den Fliegen, die sie verspeisen, nützliche Tiere. Familiär gesehen war das natürlich ein wenig traurig. Aber im Urlaub will man nicht lange traurig sein.

In der Lobby des Hundehotels saßen den ganzen Tag bewegungslos schweigende, laptopbewaffnete Kinder. Vor allem in der Dämmerung hatte das einen Hauch Horrorfilmatmosphäre. Ich wunderte mich, bis ich begriff, dass es nur dort WLAN gab. Die weitläufigen Wiesen hinter dem Hotel rochen nach Heu und boten grandiosen Bergblick. Die Feldmäuse hatten ein schweres Leben, die in den mäusebedingt hundegebuddelten Löchern häufig umknöchelnden Herrchen und Frauchen ebenfalls.

Im Garten befand sich eine Terrasse, die maximal für ein Viertel der Gäste reichte. Der Rest saß bei 35 Grad im Stüberl und sah aggressiv auf die im Grünen Speisenden. Ob nun drinnen oder draußen - so ein Futterneid kann nicht seelengesund sein. Das Hundehotel verfügte auch über sehr schöne Zimmer und einzwickende Metalllifttüren. Ein Familienmitglied holte sich blaue Flecken. Die hatte sich allerdings zuvor auch das ganze Bundesland geholt. Die Hotelbesitzerin schien überdies eine Stricherlliste über akustische Hundeaktivitäten zu führen. "Welcher war das?", fragte sie resch, sobald draußen im Garten auch nur ein Tier mehrmals die Stimme erhob.

Das erinnerte mich wieder an die FPK und ihren Umgang mit den Journalisten. Ob sie sich davon provoziert fühlte wie Kurt Scheuch, sagte sie nicht. Im Parlament kann man mit kritischer Berichterstattung, im Hunde hotel ab und zu mit Gebell rechnen. Oder man sattelt als Betreiber eben auf Schildkröten um. Kröten kommen ja schon wieder nicht infrage. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 25./26.8.2012)