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Hilfe, es hat gebrannt: Brigitte Hobmeier und Stefan Kurt sitzen auf dem Ascheboden eines Händl-Klaus-Stückes, das poetisch wispert und dennoch nicht recht vom Fleck kommt.

Foto: APA/Berger

Salzburg - Das Musikstück Meine Bienen. Eine Schneise des Tirolers Händl Klaus handelt von einer Katastrophe. Ein von Menschenhand gelegter Brand hat ein Stück Wald vernichtet. Im Salzburger Landestheater gibt es im Gefolge der Feuersbrunst einige Opfer zu beklagen: Ein Elchkadaver wird an den Läufen auf die Bühne gezerrt. Einen untersuchenden Inspektor (Stefan Kurt) kitzelt der Gestank von Aas in der Nase.

Weiters sind 14 Bienenvölker in den Flammen verendet. Die Bienen aber, diese treuherzigen Ernährer des Göttervaters Zeus, als dieser ein Säugling war, liefern weiter keinen szenischen Honig ab. Das Uraufführungswerk der Salzburger Festspiele ist eine äußerst geschmackvolle Mogelpackung. Kein Bienchen summt.

Ein paar Menschen finden im angekohlten Wald zueinander. Der Inspektor mit der großen Arzttasche gibt vor, die Brandursache zu untersuchen. Eine blondgelockte Lehrerin (Brigitte Hob meier) pflegt als alleinerziehende Mutter auf einem Felsen zu schlummern. Der Beamte kann es sich nicht verkneifen, unter ihrem Goldkleid nach dem Ursprung der Welt zu suchen: Immerhin hat er Spuren zu sichern. Neugier, sonst ein verabscheuungswürdiges Laster, gehört zu seinem Geschäft.

Überhaupt tun die beiden Waldspaziergänger sehr intim. Das ist wahrlich kein Wunder: Vielleicht haben sie sogar einmal das Bett miteinander geteilt. Ganz bestimmt teilen sie sich aber die Händl-Klaus-Sätze: Diese werden nämlich wie Milchhumpen von einem zum anderen gereicht. Jede Figur tut ihren Schluck: Satzteile und Wörter werden einträchtig unterein ander aufgeteilt.

In dieser flirrenden, klingelnden Welt muss eine Art von grundlegendem Einverständnis obwalten. Wie sonst wäre es möglich, dass jeder weiß, wie er den vor ihm begonnenen Satz weiterführen soll? Leider Gottes überträgt sich die eigenwillige Form des kommunikativen Spannungsaufbaus nicht unbedingt auf den Zuschauer. Aber da gibt es ja zum Glück noch die Musik. Ronald Pohl

Resolute Musicbanda

Mit sattem Sound, der sich im Wesentlichen auf den Zusammenklang von Klarinette, Trompete und Saxofon stützt, pflügt die Musicbanda Franui resolut durch Händls szenischen Schwächeanfall. Alban Bergs frühe Lieder dienten den Komponisten Markus Kraler und Andreas Schett als Ausgangsmaterial; die Sonorität der Musik lässt an Michael Nyman denken.

Und in der Tat hängt weniger Brandgeruch als ein schwüles Jahrhundertwende-Aroma über dem Zauberwald (Bühne: Giulio Lichter / Nicolas Liautard). In dem will trotz erhöhter Brandgefahr das Stück nicht recht zünden. Regisseur Liautard hat das Spiel der Waldbewohner gefällig arrangiert: Ein Wiltener Sängerknabe verkörpert den zehnjährigen Sohn der promiskuitiv aufgelegten Lehrerin. Er gibt mit glockenheller So pranstimme vor, die Natur verabscheuungswürdig zu finden. Und wie es häufig so ist: Papa fehlt - oder darf, eines bösen inzestuösen Geheimnisses wegen, nicht in Erscheinung treten.

Dass er es in der herrlich abgewetzten Gestalt des Imkers Wim (André Jung) doch tut, gehört zu den wenigen Stärken eines in vielerlei Facetten schimmernden Abends, der einen entsetzlich kalt zurücklässt. Der Jubel des Publikums war bedeutend lautstärker als das Pfeifen von Kindern im Wald. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 25./26.8.2012)