Das Gymnasium bleibt ja schon, wenn es nach der ÖVP geht, und der Religionsunterricht soll es offenbar auch. Danach sieht es zumindest aus. Denn bis Jahresende soll ein Konzept für einen Ethikunterricht für alle vorliegen - zusätzlich zum Religionsunterricht. 

Hoppla, da scheint irgendwo viel Geld für die Schulen zu schlummern. Gut so! Ein neuer Pflichtgegenstand würde laut AHS-Lehrergewerkschaft 160 Millionen Euro kosten. Für Religionslehrer an Bundesschulen (AHS, BMHS) zahlte der Bund 2011/12 81,7 Millionen Euro, für die konfessionellen Privatschulen insgesamt 286,4 Millionen.

Dieses Finanzierungsduell pro Ethik wird spannend. Es steht aber zu befürchten, dass Österreich, das sich mit einer säkularen Vernunftkonzeption des Staates noch immer schwertut, lieber auf Ethik verzichtet, als sich mit den Kirchen - vor allem der römisch-katholischen - anzulegen. 

Dabei wäre die Sache in einer liberalen, multikulturellen und -konfessionellen Gesellschaft einfach: verpflichtender Ethikunterricht für alle und Religion als private Glaubenssache, die in Wahlfächern betrieben werden kann.
Übrigens, dass just die ÖVP, die Ethik in der Schule am liebsten nur für die vom rechten Glauben abgefallenen alias vom konfessionellen Religionsunterricht abgemeldeten Schüler haben möchte, für ihre eigenen ethisch unbeschulten Parteifunktionäre verpflichtende Ethikseminare für nötig hält, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 27.8.2012)