Wien - In der Causa Lyoness wurde am Montag die nächste Strafanzeige gegen die Grazer Einkaufsgemeinschaft eingebracht. Der Wiener Anwalt Eric Breiteneder hat Lyoness bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) angezeigt. Der Vorwurf von Breiteneder gleicht jenem der ebenfalls laufenden Zivilklage: Lyoness hätte beim Verkauf seiner Werbekampagnen einen Kapitalmarktprospekt auflegen müssen. Lyoness dementiert das, es liege kein Straftat bestand vor.

Breiteneder hatte, wie berichtet, bezüglich der Werbekampagnen in der Vorwoche ein - noch nicht rechtskräftiges - Urteil gegen Lyoness erwirkt. Demnach bekommt der Anleger sein in die Lyoness-Kampagnen investiertes Geld (er bekam dafür Zeichnungsscheine ausgestellt) zurück. Dass Lyoness keinen Prospekt veröffentlicht hat, sei ein Verstoß gegen das Kapitalmarktgesetz, meint Breiteneder. In der Sachverhaltsdarstellung werden die Lyoness Europe AG (mit Sitz in Buchs in der Schweiz) als auch Unternehmensgründer Hubert Freidl als Beschuldigte ausgemacht. Breiteneder ist "guter Hoffnung, dass die WKStA auch hier Ermittlungen aufnehmen wird".

An der Strafrechtsfront ermittelt bereits die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Lyoness, und zwar wegen des Verdachts auf Betrug und Betreiben eines Pyramidenspiels. Diese Vorwürfe wies Lyoness am Montag "schärfstens" zurück. "Wir werden in den nächsten Wochen eng mit den ermittelnden Behörden kooperieren und sind optimistisch, dass die österreichischen Behörden ihre Ermittlungen demnächst wieder einstellen werden", teilte Lyoness mit.

Viele offene Fragen

Konsumentenschützern ist Lyoness ebenfalls ein Dorn im Auge. So fehle beim Erwerb eines sogenannten "Business-Pakets" (Anzahlung auf Gutscheine, heißt heute Premium-Mitgliedschaft) die Möglichkeit eines vertraglichen Rücktrittsrechts. Auch der Bezug der sogenannten Cashback-Karte sei nur zu Beginn gratis und bleibe das nur, wenn Umsatzziele erreicht würden, hält die Arbeiterkammer in einem Schreiben fest. Zudem sei der Datenschutz laut Konsumentenschützern zu hinterfragen. (APA, bpf, DER STANDARD, 28.8.2012)