Wien - Drei Viertel der Jugendlichen verbinden Klimawandel mit Erderwärmung, zwei Drittel mit einer steigenden Zahl von Naturkatastrophen, dem Abschmelzen der Polarkappen und dem Anstieg des Meeresspiegels, so das Ergebnis einer Online-Umfrage der Allianz Gruppe. Das Interesse der 14- bis 24-Jährigen sei aber geringer als ihr Wissen, so der Vorstandsvorsitzende Wolfram Littich am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Nur 49 Prozent der 500 Befragten seien an diesem Phänomen interessiert oder sehr interessiert, sagte er. Viele Jugendliche fühlen sich hilflos, als Hauptschuldige machen die meisten die Industrie aus.

Jugendliche fehlen Vorbilder

Die Gefühle der Jugendlichen gegenüber dem Klimawandel seien "eher destruktiv", so Littich. 46 Prozent verspüren Angst, gefolgt von Hilflosigkeit, Traurigkeit und Wut. "Besonders ausgeprägt sind diese Gefühle bei jungen Frauen", sagte er, während junge Männer zunehmend gleichgültig oder genervt auf das Thema reagierten. Johannes Naimer, Leiter der WWF Climate Group Österreich, führte das auch darauf zurück, dass das Thema sehr komplex ist. Die negativen Gefühle zeigten seiner Meinung nach vor allem die Betroffenheit der Jugendlichen. "Ich glaube, wenn Jugendliche mit Hilflosigkeit reagieren, dann fehlen ihnen Vorbilder", sagte er. Gefordert seien hier die Erwachsenen, "wenn man die Hälfte der Jugendlichen erreichen kann, gibt das aber Hoffnung."

Dass 86 Prozent der Befragten die Industrie als Hauptschuldige des Klimawandel bezeichnen, habe ihn überrascht, so Littich. Immerhin 81 Prozent aber gaben an, dass alle zu dieser Entwicklung beitragen. Die Jugendlichen seien sich also dessen bewusst, auch selbst Teil des Problems zu sein, diese Erkenntnis sei wichtig, betonte Naimer. Dass sie diese Entwicklung aufhalten können, glauben allerdings nur 27 Prozent der Befragten. Auch hier seien es vor allem die jungen Frauen, die resigniert hätten, so die Allianz.

Informationen aus Massenmedien

Knapp mehr als die Hälfte ist dennoch davon überzeugt, aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, für 80 Prozent fällt "Müll trennen" darunter, gefolgt von "Öffis benutzen" (74 Prozent) und "Strom sparen" (73 Prozent). Auch an Aktionen zum Schutz des Klimas erinnern sich 35 Prozent, in erster Linie nannten die Befragten in diesem Zusammenhang Energiesparlampen und Elektroautos. 23 Prozent der Jugendlichen könnten sich auch mit einem verpflichtenden autofreien Tag pro Woche anfreunden.

Ihre Informationen zum Klimawandel beziehen die befragten Jugendlichen großteils aus den Massenmedien. In Familie oder Schule dagegen sprechen zwei Drittel so gut wie nie darüber, bedauerte Littich. Regelmäßige Diskussionen mit Freunden führten gar nur fünf Prozent der Jugendlichen, zeigte er sich überrascht. (APA, 28.8.212)