Wien - Österreich sei zwar "Europameister in der öffentlichen Finanzierung von Forschung und Entwicklung" (F&E), im Bereich privater F&E-Ausgaben gebe es jedoch noch viel zu tun, so der Wirtschaftsexperte Hannes Leo in einer im Auftrag des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) durchgeführten Studie. Für den Aufbau einer breiten philanthropischen Kultur brauche es eine Grundsatzentscheidung darüber, ob man eine solche Kultur entwickeln will oder nicht, sowie viel Engagement seitens potenzieller Geber und Nehmer. Außerdem plädiert der Experte für Vereinfachungen, was die Rahmenbedingungen betrifft.

"Es müsste vor allem einfach sein, gemeinnützig tätig zu sein", erklärte Leo. Wichtig wäre vor allem, sicherere und leichter nachvollziehbare gesetzliche und steuerliche Rahmenbedingungen für private Initiativen zu schaffen. Man könne zwar mit jeder Rechtsform gemeinnützig tätig sein, im Bereich der Stiftungen sei aber beispielsweise die Einschätzung darüber, ob man das Statut der Gemeinnützigkeit bekommt, "immer von einer Ermessensentscheidung des Finanzamts" abhängig, die noch dazu alljährlich widerrufen werden kann. Leo: "Es ist schon richtig, dass man Missbrauch verhindern muss, aber man muss auch Rechtssicherheit haben."

Vergleich mit Deutschland und der Schweiz

In Österreich fließen von gemeinnützigen Privatstiftungen, sowie Bundes- und Landesstiftungen pro Jahr und Einwohner etwa vier Euro in Richtung F&E. In Deutschland sind es dagegen 183, in der Schweiz 109 Euro. Hier sei die Einbindung privater Geldquellen seit Mitte der 1990er-Jahre "gepflegt und entwickelt" worden. Der Sektor habe sich dort seither auch "sehr gut entwickelt", wie Leo ausführte.

Wissenschaftliche Einrichtungen hätten in den vergangenen zehn Jahren Zugang zu vielen Geldquellen aus dem öffentlichen Bereich gehabt. "Da ist extrem viel investiert worden, das sieht man auch bei den öffentlichen F&E-Ausgaben, wo Österreich in Europa am meisten investiert". Einerseits sei der Druck, philanthropische Investoren zu suchen nicht allzu groß gewesen, gleichzeitig sei aber auch die philanthropische Kultur insgesamt nur "sehr sporadisch" entwickelt worden, so der Experte.

Positive Beispiele, wie die Spende der Invicta Privatstiftung des Pharmaunternehmers Peter Bertalanffy an das Institute of Science and Technology (IST) Austria oder die Zuwendungen von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz an die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) seien eher Ausnahmen.

Initiativen auch "aus dem Stiftungssektor heraus" nötig

Initiativen zur Verbesserung der Situation müssten laut Leo auch "aus dem Stiftungssektor heraus" gesetzt werden. Personen, die in dem Bereich bereits Erfahrung gesammelt haben, könnten etwa bei anderen potenziellen Gönnern Verständnis schaffen. Es gehe darum, "dass man mitteilt, wie man das angehen, aufsetzen und professionell umsetzen kann". Solange das nicht von potenziellen Philanthropen selbst ausgeht, könnte der RFT "versuchen das anzuschieben" und vernetzend tätig sein.

Außerdem brauche es eine Professionalisierung auf Seiten der Nehmer. Institutionen, die vermutlich stark von privaten Geldern profitieren könnten, seien Hochschulen, im Speziellen die Grundlagenforschung, sowie Spitzenforschungseinrichtungen aller Art. Man müsse sich allerdings darüber im Klaren sein, dass der Aufbau organisatorischer Strukturen für Fundraising zeit- und ressourcenintensiv und nicht immer von Erfolg gekrönt sei. "Das ist nichts, wo man einmal eine Runde zieht und dann passiert etwas", so Leo, der darauf verwies, dass es auch sehr stark vom Interesse der spendenden Person abhängt, wofür das Geld verwendet werden kann. (APA, 28.8.2012)