Bochum - Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis (AS) genannt, ist eine chronische Entzündung, vor allem der Wirbelsäule. Als Behandlung werden in erster Linie sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Deutsche Rheumatologen stellten nun fest, dass diese Medikamente nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch das Fortschreiten der Krankheit bremsen können. "Diese Erkenntnis wird die Therapie wahrscheinlich maßgeblich verändern", hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Deutschen Gesellschaft für Rheumagologie (DGRh).

Bis zu 340.000 Menschen leiden in Deutschland an ankylosierender Spondylitis (AS), in Österreicher dürfte die Zahl der Patienten bei etwa 30.000 liegen. Viele Betroffene klagen über Schmerzen in der Wirbelsäule, im Kreuz, in den Gesäßhälften oder in den Hüften. In den Morgenstunden sind die Beschwerden besonders stark. In der zweiten Nachthälfte wachen AS-Patienten wegen der Schmerzen auf, dann müssen sie sich bewegen, um sich Erleichterung zu verschaffen. "Oft treten die Symptome bereits im Alter von etwa 26 Jahren auf," so Jürgen Braun von der DGRh. Eine frühe Diagnose sei wichtig, um eine optimale Therapie einleiten zu können, denn der entzündliche Prozess könne zu einer knöchernen Versteifung der Wirbelsäule führen.

Mittel werden nicht regelmäßig eingenommen

Gegen Schmerzen und Steifheit verordnen Ärzte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder ein Coxib. Aber mehr als die Hälfte der Patienten nimmt diese Mittel nicht regelmäßig - etwa dann, wenn die Beschwerden relativ gering sind oder wenn sie andere Arzneimittel, wie die Biotechnologie-TNF-Blocker, einnehmen. "Dabei zeigen Studien, dass eine regelmäßige NSAR-Einnahme über einen längeren Zeitraum nicht nur die Symptome lindert, sondern auch das Fortschreiten der Erkrankung bremsen kann - allerdings nur bei bestimmten Patienten," so Joachim Sieper, Leiter der Rheumatologie an der Charite Universitätsklinik in Berlin.

Keine weitere Verknöcherung

In einer aktuellen Studie untersuchten Berliner Rheumatologen über zwei Jahre den Verlauf von 88 AS-Patienten. Diejenigen Patienten, die regelmäßig NSAR eingenommen hatten (mindestens 50 Prozent der maximalen empfohlenen Dosis täglich), wiesen keine weitere Verknöcherung in der Wirbelsäule auf. Dagegen verschlimmerte sich die Versteifung der Wirbelsäule bei den Patienten, die NSAR seltener oder in einer kleineren Dosis einnahmen.

"Von dieser Behandlung haben vor allem die Patienten profitiert, die das höchste Risiko für eine Verschlimmerung der Erkrankung hatten", erläutert Sieper. Das waren Menschen mit hohen Werten des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) oder aber mit sogenannten Syndesmophyten. Das sind Knochenneubildungen zwischen den Wirbelkörpern, die die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränken. "Diese beiden Risikofaktoren weisen etwa ein Drittel der AS-Patienten auf", so Sieper. (APA/red, derStandard.at, 29.8.2012)