Bellinzona/Rom - Bei der lebensbedrohenden Hautkrankheit Pemphigus vulgaris, die sich durch große Blasen auf Haut und Schleimhäuten äußert, attackiert sich das Immunsystem selbst. Schweizer und italienische Forscher konnten erstmals die verantwortlichen Antikörper isolieren und damit einen möglichen Ansatz für Therapien schaffen, wie sie am Mittwoch im "Journal of Clinical Investigation" berichteten.

Dazu verwendete das Team um Antonio Lanzavecchia vom Institut für Forschung in der Biomedizin (IRB) in Bellinzona und der Universität der italienischen Schweiz (USI) in Lugano eine Methode, um Immunzellen zu klonieren. "Anschließend konnten wir die schädlichen Mutationen im Antikörper nach und nach rückgängig machen", erklärt Studienleiter Lanzavecchia.

Forschung in zwei Richtungen

Durch diese "Rückverwandlung" stellten die Forscher fest, dass der aggressive Antikörper aus einem normalen Antikörper entstanden war. "Es ist das erste Mal, dass dieser Mechanismus beim Menschen identifiziert worden ist", so Lanzavecchia. Nun müssen die Forscher herausfinden, was die schädliche Mutationskette ausgelöst hat. Die Forschung geht in zwei Richtungen weiter: Einerseits gilt es, den Angriffspunkt der mutierten Antikörper herauszufinden, um die Entstehung der Krankheit besser zu verstehen. Auf der anderen Seite soll der Ansatz für neue Therapien weiterentwickelt werden.

Bei Pemphigus vulgaris wenden sich Antikörper nicht gegen Fremdkörper wie Bakterien oder Viren, sondern gegen zwei körpereigene Eiweiße, die die Haut intakt halten. Es entstehen großflächige Blasen auf Schleimhäuten im Mund, Rachen oder den Genitalien sowie auf der Haut, die zu gefährlichen Infektionen führen können.

Bisherige Therapien setzten das gesamte Immunsystem außer Kraft, wodurch Krankheitskeimen Tor und Tür geöffnet wurden. Mit der neuen Antikörper-Methode könnte die Krankheit in Zukunft leichter diagnostiziert und behandelt werden, lautet das Fazit der Studie. (APA/red, derStandard.at, 5.9.2012)