Die Anschaffungskosten für Schafe sind niedrig, ein Lamm kostet zwischen 50 und 70 Euro.

Foto: Volker Krenn / LVS OÖ

Linz - Gerlinde Moshammer hat sich vor gut drei Jahren für mehr Wolle in ihrem Grün entschieden. Die 33-Jährige besitzt nahe Gmunden ein Grundstück. Ein Hektar groß - und diese Fläche gilt es auch regelmäßig zu mähen. Gerlinde Moshammer tendierte vor allem aus Zeitgründen zum Bio-Rasenmäher. Die Gartenarbeiten übernehmen seitdem zwei Mühlviertler Waldschafe.

"Ich bin total zufrieden. Den Tieren geht es gut, sie haben Futter, Wasser und einen Unterstand. Schafe sind völlig problemlose Tiere. Zu Beginn vielleicht ein wenig scheu, später aber treu wie ein Hund", erzählt Moshammer im Standard-Gespräch. Die Hobby-Schafhirtin hat sich mit einem ortsansässigen Bauern arrangiert: "Bei schweren Unwettern holt er die Tiere in seinen Stall. Ansonsten können die Schafe ruhig eine längere Zeit auch alleine bleiben."

Gedämpfter Herdentrieb

Gerlinde Moshammer liegt mit ihrer ökologisch einwandfreien Mähtechnik übrigens voll im Trend. Die Oberösterreicher haben das Schaf, auf Oberösterreichisch auch "Söckibär" genannt, neu entdeckt. Nicht die Herde und die Zucht stehen im Vordergrund, sondern vielmehr blökende Kleinstrukturen. "Wir erleben einen regelrechten Boom. Von den insgesamt 3100 Schafbesitzern in Oberösterreich haben bereits 50 Prozent nur mehr zwischen zwei und neun Tiere", schildert Volker Krenn, Geschäftsführer beim oberösterreichischen Schafzuchtverband, im Standard-Gespräch. Oberösterreich hat aktuell mit rund 68.000 Tieren den höchsten Schafbestand seit 1945.

Der moderne Stadtrandhirte neigt zur Kurzzeithaltung. Krenn: "Die Lämmer werden im März gekauft. Oft wird ein Tier dann noch während der Grillsaison geschlachtet; oder man wartet bis Oktober - eher in Richtung Weihnachtsessen."

Zwei Schafe für 1000 Quadratmeter

Ob nicht auch so mancher Neo-Schafbesitzer nach einem Blick in die lammfrommen Augen die Pläne für die große Schlacht verwirft? Krenn: " Natürlich kommt das vor, diese Leute bringen die Schafe dann meist zu einem Bauern oder in einen Tierpark." Die Haltung von Schafen sei an sich kein Problem: "1000 Quadratmeter Grund sind für zwei Schafe ideal. Ein Zaun, ein Unterstand und eine Wasserstelle." Die Anschaffungskosten sind niedrig, ein Lamm kostet zwischen 50 und 70 Euro.

Einschränkungen gibt es aber auf rechtlicher Seite. Im Stadtgebiet wird es mit Schafen schwer. Krenn: "Laut Flächenwidmungsplan muss es als Dorfgebiet ausgewiesen sein. Am Stadtrand ist die Haltung kein Problem."

Alles eine Erziehungsfrage

Vor allem Neulingen auf dem Gebiet der Herdenhaltung rät der "Oberhirte" zum Schaf: "Ziegen sind sehr neugierige Tiere, da hat man deutlich mehr Stress. Und eine Ziege ist ein Gourmet auf dem Rasen. Da werden nur die besten Sachen gefressen. Ein Schaf mäht alles gründlich ab." Hinzu komme, dass Schafe in der Lage seien, sich das Futter auch von unwegsamen Stellen zu holen. Dort, wo also der Rasenmäherrobotor neigungsbedingt aufgibt, beginnt für das gemeine Schaf erst der Spaß.

Und die mögliche Lärmbelästigung für Nachbarn? Krenn: "Alles Erziehungssache. Man darf Schafe nicht verscheißerln und immer ein Gutzi durch den Zaun geben. Dann schreien sie auch nicht." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 7.9.2012)