Eine Antwort auf die Frage "Was ist die Zukunft der jungen Generation?" zu suchen, scheint zwecklos. Denn sie lautet seit jeher: Sie wird älter. Man gründet eine Familie, bekommt Kinder und macht Karriere. Was kann man von der Jugend mehr erwarten, als dass sie dem Lauf des Lebens folgt? Die Organisation eines politischen Forums zu diesem Thema, an dem Hunderte Studierende aus ganz Europa teilnehmen, die ihre Zukunft aus dem Munde einiger wichtiger Politiker erzählt bekommen, scheint sich deshalb in die Reihe jener Gipfeltreffen einzureihen, bei denen ein Thema diskutiert wird, das zu abstrakt ist, als dass man wirkliche Lösungen finden könnte.

Doch als Journalistin aus Rumänien, das als eines der letzten Länder 2007 in die EU aufgenommen wurde, freute ich mich auf die Debatten der Politischen Gespräche in Alpbach. Fast jeder junge Mensch in Rumänien träumt lieber von einer Zukunft im Ausland als im eigenen Land, so wie auch die meisten anderen jungen Menschen in den ehemaligen kommunistischen Ländern. Auch wenn die Jugend in den westlichen Ländern ähnlich perspektivenlos erscheint wie im Osten, obwohl sie im Westen sind, wollen unsere jungen Menschen dorthin. Die Wirtschaftskrise scheint uns jedoch alle - ob jung oder alt - unsere Perspektiven geraubt zu haben und lässt uns am Erfolg eines vereinten Europas zweifeln. Klug wird der sein, der für dieses Problem eine Lösung findet.

"Weniger Chancen, höhere Steuern"

Aber niemand hatte bei den Politischen Gesprächen eine Lösung parat. Politiker und Theoretiker taten, wovon sie meinen, es am besten zu können: reden. Sie diskutierten die Themen und bekräftigten erneut die Grundprinzipien des Multikulturalismus, auch wenn die europäische Integration heute von vielen mit Besorgnis betrachtet wird. Man sprach auch über apokalyptische Szenarien: Zukünftige Generationen würden "weniger Chancen und höhere Steuern" haben, somit eine weitere Generation, die zum Opfer wird, nachdem ihre Eltern Opfer des Kalten Krieges wurden und ihre Großeltern in Weltkriegen starben.

Der Bulgare Ivan Krastev, Vorsitzender des Centre for Liberal Strategies in Sofia, erklärte, dass die Menschen zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert das für ihre Kinder bestimmte Geld ausgeben würden, anstatt es für deren Zukunft zu sparen, so wie sie dies vor 30 Jahren getan hatten. Junge Menschen protestieren nun, weil sie den Status quo erhalten wollen, von dem ihre Eltern profitierten.

"Die Jugend beneidet ihre Eltern um die Sozialleistungen und Träume sozialer Stabilität. Sie will fixe Arbeitsplätze und soziale Sicherheit." Krastev argumentierte, dass Europa in 15 bis 20 Jahren einen demographischen Wandel durchmachen wird, weil die Jugend dann eine aus politischer und wirtschaftlicher Sicht unbedeutende Minderheit sein wird, da der Anteil älterer Menschen viel größer sein wird. Andererseits sind viele junge Menschen heute nicht daran interessiert, am politischen und sozialen Leben teilzuhaben oder zu wählen, und ihr Leben wird wahrscheinlich noch immer von den Älteren bestimmt, da sie sich in eine parallele virtuelle Realität im Internet flüchten.

Festigung der Zivilgesellschaft in Osteuropa

Etwas widersprach jedoch dem pessimistischen Ton der Debatten. Zeitgleich mit den Politischen Gesprächen in Alpbach fand das Jahrestreffen der Erste Stiftung Community statt. Ihr gehören Menschen an, die in verschiedenen europäischen Ländern arbeiten, und ihr Ziel ist es, die Zivilgesellschaft zu festigen, besonders in Osteuropa, wo diese keine so laute Stimme hat. Die Biographien dieser Menschen sprechen gegen die allgemein geäußerten Sorgen über das Schicksal der heutigen Jugend in Europa.

Jakob ist Österreicher und lebt seit einigen Jahren in Rumänien, wo er ein Sozialprojekt leitet. Andreea, eine Rumänin, die sich in Wien niedergelassen hat, arbeitet als Kommunikationsmanagerin für die Stiftung. Der Amerikaner Chris kam mit dem Friedenscorps nach Rumänien und wollte nicht mehr weg. Er versucht, die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Rumänien zu unterstützen. Dejan ist Serbe, arbeitet jedoch in Wien. Robin kommt aus Deutschland, seine Arbeit führt ihn aber quer durch Osteuropa, mit Projekten, die er von seinem Wiener Büro aus koordiniert. Neil wuchs in Indien auf - er ist halb Engländer, halb Inder - und arbeitet jetzt als Redakteur für ein von der Stiftung am Balkan gefördertes Journalismusprojekt.

Dies sind nur einige der Namen der Teilnehmer des Erste Community Treffens in Alpbach. Sie alle sind jung und profitieren in vollem Ausmaß von der EU-Erweiterung, den offenen Grenzen und dem Fall des Eisernen Vorhangs. Sie sind lebende Beispiele dafür, dass "Integration" nicht nur ein abstraktes Wort in politischen Abhandlungen, sondern eine nachhaltige Lebensform ist. Sie leben schon jetzt die Zukunft ihrer Generation.

"Für die eigene Zukunft verantwortlich"

In Alpbach traf ich auch den jungen Florian, einen 24-jährigen Österreicher, der an der Universität Innsbruck studiert. Er war zum zweiten Mal hier und wusste genau, warum er gekommen war: "Hier geht es darum Menschen zu finden, die dich inspirieren, zu denen man aufschauen und von denen man lernen kann. Es geht ums Netzwerken. Sonst gibt es hier viele Menschen, die nur gekommen sind, um sich wichtig zu machen, weil es als cool gilt, hier dabei zu sein. Die Politiker, die gekommen sind, waren freilich ziemlich ausweichend, niemand scheint Lösungen zu haben, aber vielleicht deshalb, weil es keine kollektiven Lösungen gibt. Jeder ist für seine eigene Zukunft verantwortlich", so Florian.

Das Leben zeigt uns somit wieder einmal, dass es die Theorie übertrumpft. Die Zukunft der Jugend hängt in erster Linie von ihr selbst ab. Die Staaten haben nur die Aufgabe, Möglichkeiten zu schaffen: Bewegungsfreiheit, Freiheit der Meinungsäußerung, qualitativ hochwertige Ausbildung, Arbeitsplätze, eine funktionierende Wirtschaft. Und - warum nicht - vielleicht von Zeit zu Zeit ein Forum, um einander kennenzulernen und Networking zu betreiben ... (Dollores Benezic, DER STANDARD, 11.9.2012)