Oberflächliche Vorstellungen zerbrechen in Bildern wie "Employee" (2011) von Alfons Pressnitz.

Foto: Galerie im Taxispalais

Nicht alles der Generation 30+ spielt sich auf Leinwand ab

Innsbruck - "Die Malerei könne es auch einfach mal bunter treiben", schlug Galerie-im-Taxispalais-Direktorin Beate Ermacora zur Eröffnung von Immer Bunter. Aktuelle Malerei aus Österreich vor. Das kann, wie in der Ausstellung vorgeführt, bedeuten, dass sich die Malerei in Form von Installationen und performativen Aktionen spielerisch in den Raum erweitert.

Bereits zur Eröffnung lud man zur partizipatorischen Performance von Christian Falsnaes (geb. 1980), die das Publikum an der Entstehung einer Malerei beteiligte. Marianne Vlaschits (geb. 1983) provozierte unsere Vorstellung von begehrenswerten Beachboys, indem ihre zu Mozarts Zauberflöten-Arie Dies Bildnis ist bezaubernd schön im aufblasbaren Swimmingpool badeten. Eine ironische Inszenierung, die dazu anhält, Bilder an der Realität zu prüfen.

In Anlehnung an die Formensprache der Wiener Werkstätte überzieht Herbert Hinteregger (geb. 1970) Leinwände mit vertikalen Streifen aus Kugelschreibertinte; ein Kachelofen von Josef Hoffmann bildete dafür die Vorlage. Entscheidend ist dabei die Praxis der äußersten Langsamkeit: Für ein Bild ist die Tinte von 1500 Kugelschreibern notwendig.

Herwig Weiser (geb. 1969) zersetzt in seinem Video Lucid Phantom mit Farbstoffen angereicherte Materialien. Wie beim Action-Painting fließen in diesem autopoietischen Prozess farbige Substanzen durch einen durchsichtigen Kubus. Ebenso sinnlich übersetzt Manuel Gorkiewicz (geb. 1976) konventionelle Farbsysteme. Mit Nivea-Creme vermischten Lidschatten trägt er in maßstabsgetreuer Vergrößerung von Schminkdosen auf die Wände auf und verwandelt den Raum in eine Art parfümierten Wattebausch.

Luisa Kasalicky und Martina Steckholzer (beide 1974 geboren) transferieren solch atmosphärische Gefühle in konzeptuelle Arbeiten. Steckholzer übersetzt persönliche, beim Besuch von Ausstellungen gemachte Erfahrungen in eine reduzierte und klare Bildsprache auf kleinformatigen Ölbildern.

Kasalicky kombiniert für ihre Installation barocke Details und Baumaterialien zu einem überdimensionalen Flügelaltar. Dessen zentrales Sujet erinnert an das Video Trembling Time von Yael Bartana. Dieses zeigt eine Autobahn in Tel Aviv bei Nacht, auf der alle Autos - es ist ein Gedenktag - zum Klang einer Sirene stehenbleiben. Einen Augenblick lang blenden so die Autolichter die Kamera.

Mediale Tricks

Auch die 42-jährige Katrin Plavcak, deren Gemälde an der Tagespolitik orientiert sind, spielt mit den Möglichkeiten des Mediums: In Wikileaks " blitzt" sie das Gesicht von Julian Assange weg; in Abgeschirmt versteckt sie Gaddafi hinter einem Regenschirm.

Alfons Pressnitz (geb. 1982) und Maja Vukoje (geb. 1969) untersuchen in großformatigen Gemälden das Zerbrechen oberflächlicher Vorstellungen. Pressnitz zeigt anhand eines aufgeschnittenen Hauses die Unschärfe der Erinnerung, während der Sehnsuchtsraum in Form einer detailreichen Landschaft konserviert ist. Vukoje lässt die Darstellung einer Leine voll nasser Wäsche in die Tiefe der Leinwand kippen. Das blass anmutende Gemälde Markus Bachers orientiert sich farblich an der grauen Galeriewand. Es tritt zurück und gibt derart den Blick auf das auf der Außenmauer montierte stimmungsvolle Bild eines rötlich-blauen Himmels frei.    (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 13.9.2012)