Theater in Bewegung: Ulrich Hoppe spaziert als Handke-Ödipus durch die Stadt Graz

Foto: Forum Stadtpark Theater
Ein Winterspaziergang im Sommer, ein Anhalten und In-die-Hand-Nehmen der Zeit, ein begehbarerer Gedankengang: Die dramatische Umsetzung von Peter Handkes "Versuch über den geglückten Tag" vom Grazer "Forum Stadtpark Theater" ist schwer unter herkömmliche Theaterproduktionen einzuordnen - und das ist gut so. Denn das Publikum schaut nicht bloß zu, es geht mit Handke-Ödipus (Ulrich Hoppe) auf teils unbeleuchteten Pfaden auf eine nächtliche Tour, um einem einzigen Tag und seinen Augenblicken nachzuspüren.

Bekannte Straßen der eigenen Stadt werden zu unbekannten Wegen, auf denen stille Abenteuer und leise Wahrheiten lauern können. Oder aber die flüsternden Stimmen von Antigone und Iokaste, die körperlos zwischen den dicht stehenden Bäumen hängen.

Das Regieduo Ernst M. Binder und Monique Schwitter - Schauspielerin im Ensemble der Bühnen Graz - geht vorsichtig mit Handkes Text um und spielt gekonnt mit einer wie zufällig im öffentlichen Raum auftauchenden Kulisse. Momente aus dem geglückten Tag manifestieren sich in Bildern: ein einsames, beleuchtetes Fenster, auf den Gehsteig gemalte Wörter, abgelegte Männerkleidung auf einem Brückengeländer oder zwei Goldfische, die samt Glas in einem Flussbett gestrandet sind. Kein Versuch, sondern eine durchwegs geglückte Arbeit. (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2003)