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"Es hat Top-Hardware, ein erstaunliches Display. Das neue Betriebssystem läuft geschmierter als Schnecken auf Eis und seine Verarbeitung ist ein Triumph des Industrial Design." So lautet das Urteil zum iPhone 5 von Journalist und Hack-Opfer Mat Honan in einem Wired-Artikel.

Lauern auf die Revolution

Es scheint, als wäre alles in Butter. Doch Apples neues Telefon ist seiner Ansicht nach nicht nur das beste Gerät seiner Klasse am Markt, sondern auch unglaublich langweilig. Und das liegt weniger an Apple, sondern viel mehr an der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit. "Apple hat uns mit den ersten Versionen von iPod, iPhone, iPad und MacBook Air einen Schlag ins Gesicht versetzt. Selbst der iMac war erstaunlich."

Und so entstand nach einiger Zeit das Gefühl, dass Apple jedes Jahr aufs Neue einen solchen Effekt erzielen würde. Seit der Einführung des ersten iPhones anno 2007 hat sich das Unternehmen seiner Ansicht nach zum "Simon Bolivar der Technologieunternehmen" gemausert, man erwartete Revolution um Revolution.

Neu ist nicht immer besser

Die Stärke der Firma ist auch ihr Hang zu Detail und Einheitlichkeit. Neue Produkte erscheinen nicht nur, weil eben eine neue Generation fällig ist. Sondern nachdem sie minutiös überarbeitet und in allen Belangen ein bisschen besser gemacht wurden. Und hier, so Honan unter Verweis auf die dritte Generation des iPod Shuffle, erwischt Apple alle vier oder fünf Generationen einen Punkt, an dem das Ändern eines Produktes es nicht mehr verbessert, sondern möglicherweise sogar schlechter macht.

Technologiefrage

Ohne in den Markt drängender, neuer und leistbarer Technologien scheint Apple wenig Grund zu haben, große Veränderungen herbeizuführen. Während günstiger Flash-Speicher ein komplett neues Design für den iPod möglich machte und SSD-Festplatten den Grundstein für das MacBook Air legten, fehlt heuer die Vorlage, um der sechsten iPhone-Generation ihre besondere Eigenheit zu bescheren.

Träge wie die Konkurrenz

Am Ende des Tages ist das Paket so vollständig und gut, dass das iPhone 5 letztlich nicht mehr als eine "längere und dünnere Version des iPhone 4 ist", meint Honan. Und als solches sieht es den Telefonen anderer Hersteller auf einmal deutlich ähnlicher. Apples Trägheit in Sachen Design schreibt er aber zum Teil auch der Konkurrenz zu, die oft beim Konzern aus Cupertino abschaut, statt eigene Ideen umzusetzen.

Lumias Drama

Als aktuell aufregendste Neuerscheinung sieht er Nokias Lumia 920. Das neue Flaggschiff der Finnen hebt sich nicht nur durch sein Betriebssystem, Äußeres und technische Eigenheiten ab, sondern auch durch sein Narrativ. Immerhin gilt die neue Lumia-Reihe als quasi letzte Hoffnung für das Unternehmen, das sich an Windows Phone klammert und bei einem Scheitern in die Bedeutungslosigkeit zu stürzen droht.

Evolution frisst Identität

Dem neuen iPhone fehlt eine solche Geschichte und Identität, weil Revolution zu Evolution geworden ist. Er vermutet, dass dies auch auf längere Zeit so bleiben wird, was nicht schlecht, sondern einfach "der Lauf der Zeit und der technologischen Entwicklung" ist. Vielleicht ist auch das Smartphone an sich schon langweilig, weil es mittlerweile ein normaler Bestandteil des Alltags geworden ist. (red, derStandard.at, 13.09.2012)