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Auch 2004, als Bischof Klaus Küng nach St. Pölten berufen wurde, war Benno Elbs als Nachfolger in Vorarlberg im Gespräch.

Foto: REUTERS/MIRO KUZMANOVIC

Wien/Bregenz - Benno Elbs wird Bischof. Daran zweifelt kaum jemand innerhalb der katholischen Kirche. Der Frage ist eigentlich nur mehr, welches klerikale Einsatzgebiet der derzeitige Diözesan-Administrator der Diözese Feldkirch übernehmen wird. Seit dem altersbedingten Rücktritt von Bischof Elmar Fischer im November des vergangenen Jahres ist Elbs, ab 2005 Generalvikar der Diözese, die neue Nummer eins in Vorarlbergs Kirche. Und galt damit lange als der logische Bischofsnachfolger. Als liberaler Kirchenmann ist er des Volkes Wunschkandidat. Doch Rom lässt sich mit der Bestellung auffallend lange Zeit.

Der Grund für den Stillstand des Postenkarussells liegt aber nicht daran, dass man an den Fähigkeiten des 52-Jährigen in Rom zweifelt. Vielmehr wird Elbs, so ist es zumindest aus gewöhnlich gut informierten Kirchenkreisen zu erfahren, als überqualifiziert für die kleine Diözese Feldkirch gesehen.

Der studierte Theologe und Psychologe (Schwerpunkt Logotherapie) hat sich mit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche als geschickter "Troubleshooter" präsentiert. Und wenn Bischof Fischer Homosexualität als Krankheit bezeichnete und auf dem Höhepunkt der kirchlichen Missbrauchsdebatte ein Bekenntnis zur " gesund'n Watsch'n" ablegte, war es stets Elbs, der die Kohlen aus dem Feuer holte - und dem es meist gelang, die Welle der Empörung wieder abebben zu lassen.

Sein Freund, der Oberhirte

Volksnah und krisenfest - damit hat sich Elbs vielmehr als Kandidat für zwei nachzubesetzende große Diözesen ins Spiel gebracht: Graz-Seckau und Salzburg. Wobei die erzbischöfliche Mozartstadt als eher unwahrscheinlich gilt. Gewöhnlich wird die älteste Diözese des Landes mit einem bereits amtierenden Bischof besetzt. Gespräche soll es mit dem Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer geben - der aber lieber in Tirol bleiben möchte.

In Graz deutet alles auf Elbs als Nachfolger des mit Anfang Jänner aus dem Amt scheidenden Bischofs Egon Kapellari hin. Die persönliche Beziehung zwischen Elbs und Kapellari ist freundschaftlich. Elbs soll bereits als Favorit auf dem Dreiervorschlag stehen. Und Kapellaris Wort hat in Rom entsprechendes Gewicht.

In Vorarlberg wächst hingegen der Unmut über den immer noch vakanten Bischofssitz, und es steigt vor allem die Angst vor einem weiteren konservativen Oberhirten. Bereits im Juli äußerten 2300 Katholiken in einem Brief an Nuntius Peter Zurbriggen ihre Befürchtung, dass zwei der Kandidaten als Bischof die Vorarlberger Kirche spalten könnten: Thomas Felder, Pfarrmoderator in Feldkirch-Gisingen, Priester aus der konservativen "Geistlichen Familie Das Werk", und Anton Lässer, Leiter des Priesterseminars Leopoldinum im Kloster Heiligen Kreuz.

Lässer ist bei den Rechtskatholiken durch die Gründung von Radio Horeb, das aus dem Allgäu erzkonservative Ansichten sendet, bekannt. "Das Werk" hofft seit längerem auf einen Bischofssitz. (Jutta Berger und Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 17.9.2012)