Die Shedhalle wurde von Hans Hollein geplant und nach ihrer Dachform benannt.

Foto: Bruno Klomfar

Die Landesgalerie wird durch Stahlstützen getragen.

Foto: Christoph Fuchs

Porträt Hans Kupelwieser

Foto: Nikolaus Korab

Die nach ihrer markanten Dachform benannte Shedhalle, die von Hans Hollein geplant und 1997 eröffnet wurde, bildet seit zehn Jahren eine bauliche Einheit mit dem Landesmuseum Niederösterreich, dessen Architektur - abgesehen von der Neugestaltung des Eingangsbereiches durch das Büro Rataplan 2009 - ebenfalls auf Hollein zurückgeht. Die ursprünglich für verschiedene Nutzungen vorgesehene Halle, die im Hauptteil eine Raumhöhe von acht Metern aufweist, wurde bereits 2002 für Präsentationen moderner und zeitgenössischer Kunst aus der Landessammlung mit einer von Stahlstützen getragenen, über zwei Treppenaufgänge erreichbaren Galerieebene ausgestattet.

Das damals beauftragte Architekturbüro BWM zeichnet auch für die aktuelle bauliche Adaptierung verantwortlich, welche die beeindruckende Dimension der Halle neu erlebbar macht; die beiden Ebenen können dennoch unabhängig voneinander genutzt werden. Somit können im Obergeschoß weiterhin Ausstellungen mit Werken aus Museumsbeständen stattfinden, während die ebenerdige Fläche nunmehr ZEIT KUNST NIEDERÖSTERREICH gewidmet ist. Die unter diesem Namen firmierende neue Landesgalerie für zeitgenössische Kunst soll an zwei Standorten, in der Shedhalle in St. Pölten und der Dominikanerkirche in Krems, das Schaffen bedeutender zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler in umfassenden Einzelausstellungen, begleitet von monografischen Publikationen, würdigen.

Wie der Auftakt in Krems, der im Juni 2012 mit der Werkschau Up From the Skies des Bildhauers Manfred Wakolbinger erfolgte, steht auch die Eröffnung des St. Pöltener Standorts im Zeichen der Skulptur. Unter dem Titel Reflections gewährt Hans Kupelwieser einen repräsentativen Einblick in sein umfangreiches plastisches und fotografisches Œuvre, das seit je von einem dialogischen Verhältnis der beiden Medien und einem generellen Bemühen um eine konzeptuelle Erweiterung der Gattungsgrenzen geprägt ist.

Kupelwiesers von wissenschaftlicher Neugierde und systemischem Denken bestimmtes künstlerisches Selbstverständnis beruht auf dem permanenten Wechsel zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und dem experimentierfreudigen Umgang mit Materialien und Techniken. Die vornehmlich vom Künstler selbst konzipierte Schau versteht sich als eine Art Reflexion über sein Schaffen anhand einer exemplarischen Gegenüberstellung wichtiger Werkgruppen älteren Datums mit aktuellen, teilweise vor Ort entstandenen Arbeiten. Neben großformatigen Fotogrammen und Fotografien werden kinetische, pneumatische und auf Vakuum basierende Skulpturen sowie Text- und Möbelobjekte gezeigt, darüber hinaus eine Installation aus Birkenstämmen und readymadeartige Arrangements von sanitärkeramischen Bruchstücken oder Glanzstoff, einer kupferfarbenen Viskosefaser, die von 1906 bis 2008 in St. Pölten produziert wurde. Vertreten sind auch Reliefbilder, die im Kunststofftiefziehverfahren entstanden sind. Die Zusammenschau verdeutlicht nicht nur die Vielfalt der verwendeten Materialien und die Rolle des Zufalls als zentrales Gestaltungsprinzip, sondern lässt auch Rückschlüsse auf die Inspirationsquellen des Künstlers zu: Sie reichen von banalen Alltagsdingen über beispielhafte Entwicklungen der Kunstgeschichte und naturwissenschaftliche Erkenntnisse bis hin zu industriellen Herstellungsprozessen.