Die Wiener Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) hat am Freitag die von Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) präsentierten Vorschläge in Sachen Radverkehr begrüßt. "Gerade Städte und Gemeinden sind darauf angewiesen, dass die Straßenverkehrsordnung aktuellen Entwicklungen angepasst wird. Immer mehr Menschen steigen auf das Fahrrad um. Darauf muss die Politik reagieren und entsprechende Verbesserungen für den Radverkehr umsetzen", zeigte sich die Ressortchefin überzeugt.

Fahrradstraßen, Begegnungszonen und - dort wo es Sinn mache - eine Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht seien "richtige und überfällige Maßnahmen", versicherte Vassilakou. Sie lobte auch das geplante Handy-Verbot: Telefonieren während des Radfahrens sei hochgefährlich, genauso wie beim Autofahren. Und sie bekräftigte, dass sie so wie Bures nichts von Nummerntafeln für Radfahrer halte.

Lob von Radfahrbeauftragtem und Kuratorium

Auch Martin Blum, der Radfahrbeauftragte der Stadt Wien, sprach von einem richtigen Schritt. Er betonte etwa, dass Telefonieren während des Fahrens keinesfalls sinnvoll sei. Die Absage an Kennzeichen ist laut Blum eine "gute Entscheidung". Denn eine Umsetzung sei praktisch kaum durchführbar.

Lob kommt auch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV): Das Telefonieren am Rad zu verbieten und Fahrradstraßen sowie Begegnungszonen gesetzlich zu ermöglichen, seien wichtige Schritte. Eine Senkung der Promillegrenze auf 0,5 für Radfahrer würde das Paket noch verstärken, hieß es am Freitag in einer Reaktion.

"Ein Radfahrer ist mit Alkohol im Blut genauso reaktionsschwach wie ein Autofahrer. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Beteiligung alkoholisierter Radfahrer an Verkehrsunfällen um fast 100 Prozent erhöht", betonte KFV-Direktor Othmar Thann. "Vor allem setzt sich ein Radfahrer damit auch vollkommen ungeschützt und leichtsinnig möglichen Kollisionen mit PS-stärkeren und karosseriegeschützten Verkehrsteilnehmern aus.

Bewusstseinskampagne statt Strafe

Positiv reagierte grundsätzlich auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Allerdings tritt der VCÖ in punkto Telefonieren am Rad für Bewusstseinskampagnen statt Strafen ein. Schon beim Auto funktioniere die Überwachung de facto nicht, hieß es in einer Aussendung: "Im gesamten Jahr 2011 wurden nur 150.000 Autofahrer beim Telefonieren am Steuer erwischt, obwohl an einem einzigen Tag ein Vielfaches an Telefonaten beim Autolenken geführt werden." (APA/red, 21.9.2012)