Grafik: STANDARD

Linz - Einen nachweisbaren Effekt hatte das Gezerre um Weiterführung oder Beendigung des Korruptions-Untersuchungsausschusses: Die Inseratenaffäre ist nun weiten Bevölkerungskreisen bekannt. Die davon am ehesten betroffene Partei, die SPÖ, wird heute stärker als noch im Frühjahr als möglicherweise korrupt wahrgenommen.

Das geht aus einer in dieser Woche durchgeführten Market-Umfrage für den STANDARD hervor. Der ebenfalls am Freitag veröffentlichte OGM-Vertrauensindex zeichnet ein ähnliches Bild: Diese im Auftrag der APA durchgeführte Umfrage saldiert Vertrauen und Misstrauen gegenüber Politikern - und weist für Bundeskanzler Werner Faymann, dem seine Partei einen Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss ersparte, einen Verlust von sieben Punkten - er liegt damit saldiert bei minus fünf Punkten. Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger rutschte um acht Prozentpunkte ab und liegt bei minus sieben.

Auffallend in beiden Umfragen sind nicht nur die gesunkenen Werte für die beiden Regierungsparteien, sondern auch die schlechten für die FPÖ: Bei OGM liegt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit minus 44 auf dem vorletzten Platz vor seinem Parteifreund Martin Graf (minus 57).

Die Market-Umfrage hatte einen anderen Ansatz, sie zielte nicht auf die Politiker, sondern auf die Parteien und deren Glaubwürdigkeit ab.

Zunächst ließ der STANDARD in einer offenen Fragestellung fragen: "Es ist ja in letzter Zeit auch über unkorrektes, möglicherweise korruptes Verhalten von Politikern berichtet worden. Können Sie sich erinnern, von welcher Partei Politiker mit solchen Vorwürfen betroffen waren?" Daraufhin nannten 76 Prozent die FPÖ - bei einer vergleichbaren Umfrage im Frühjahr 2011 hatten nur 26 Prozent an die Blauen gedacht. Auf ziemlich unverändert hohem Niveau folgt die ÖVP, die von 74 Prozent der Wahlberechtigten genannt wird - übrigens auch von deklarierten ÖVP-Wählern. An dritter Stelle kommt die SPÖ, die im Frühahr 2011 von 30, jetzt aber von 64 Prozent gennant wird. Das BZÖ nennen 60 Prozent.

Saubere Grüne

Nur den Grünen wird weitgehend sauberes Verhalten zugetraut: Unter Korruptionsverdacht stehen sie allenfalls bei FPÖ-Wählern. Insgesamt hegen nur zwölf Prozent einen Verdacht gegen die Grünen. In einer zweiten Fragestellung ließ der Standard explizit nach der Selbstreinigungskraft der Parteien fragen. Diese Frage ist auch in der Grafik dargestellt.

Hier zeigt sich ebenfalls, dass den Grünen als einziger Parlamentspartei zugetraut wird, die eigenen Reihen sauber zu halten: 54 Prozent halten das für realistisch. Die geringste Selbstreinigungskraft wird dem BZÖ zugetraut - hier vermuten 87 Prozent, dass die Partei allfälliges Fehlverhalten von Funktionären nicht sanktionieren würde.

ÖVP und FPÖ teilen sich den zweiten Platz, aber auch in dieser Fragestellung hat das Misstrauen gegenüber der SPÖ in den letzten Monaten zugenommen: 78 Prozent meinen, dass Fehler sozialdemokratischer Funktionäre folgenlos blieben. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 22.9.2012)