Der Zivildienst wurde zum Massenphänomen: Bei seiner Einführung wählten noch 300 junge Burschen den Heeresersatzdienst, nun sind es 30.000 jährlich.

Foto: Rotes Kreuz

Wien - Der Zivildienst ist mittlerweile ein Massenphänomen, das nicht mehr so leicht zu ersetzen wäre wie in seinen Anfangsjahren. Nach Angaben der Zivildienstagentur wurden im vergangenen Jahr 13.510 junge Männer einer der Trägerorganisationen zugewiesen. Das war ein Rekordwert, der heuer in etwa wieder erreicht werden dürfte. Zum Vergleich: 1975, im Debütjahr des Zivildiensts, waren es 344 Zivildiener.

Bis 1980 war der Zivildienst auf gut 3.000 Männer hochgeklettert, den großen Schub gab es nach ein paar schwächeren Jahren mit Abschaffung der "Gewissensprüfung" Anfang der 90er Jahre. So stieg die Zahl von 1990 (2.428) bis 1993 auf mehr als das Doppelte (5.450). Damit war der Höhepunkt aber bei weitem nicht erreicht, wiewohl Zivildiener mittlerweile deutlich länger als Präsenzdiener ihrer Aufgabe nachkommen mussten.

2001 überschritt die Zahl der Zuweisungen erstmals die 8.000, im Jahr 2004 wurde die Marke von 10.000 genommen. Mit Ausnahme eines kleinen Durchhängers im Jahr 2010 stieg die Zahl der Zuweisungen Jahr für Jahr. Die 13.000er-Marke war erstmals 2009 erklommen worden.

1.250 Organisationen insgesamt berechtigt

Angesichts der steigenden absoluten Zahlen wenig überraschend ist auch, dass die Zahl jener, die sich gegen den Wehr- und für den Zivildienst entscheiden, mittlerweile ziemlich hoch ist. Unter den Tauglichen waren es zuletzt 2011 bereits 36 Prozent. 

Insgesamt rund 1.250 Organisationen wurden von den Bundesländern berechtigt, als Zivildienstträger zu fungieren, also Zivildiener zu beantragen. Zuletzt waren es laut Zivildienstagentur 1.100, die von der Möglichkeit Gebrauch machten. Die mit Abstand meisten Zivis beschäftigt das Rote Kreuz mit etwa 4.000, dahinter folgen Arbeitersamariterbund, Lebenshilfe und Caritas. Genaue Zahlen zu den einzelnen Organisationen gibt das Innenministerium nicht bekannt.

Unterschieden wird grundsätzlich zwischen Blaulichtorganisationen, die pro Monat und Zivi 600 Euro erhalten, anderen Hilfsorganisationen im Sozialbereich, denen 410 Euro pro Monat und Zivi überwiesen werden und jenen Stellen, die für den Einsatz zahlen müssen. Das sind in der Regel öffentliche Stellen, etwa für Schülerlotsen oder für Rettungsdienste im Verantwortungsbereich des Magistrats. Zu bezahlen sind von diesen Organisationen 130 Euro pro Monat und Zivildiener.

16 Zivildiener bei österreichischen Gedenkstätten

Der mit Abstand größte Teil der Zivildiener wird im Rettungswesen eingesetzt. 5.925 oder 43,9 Prozent der Zivildiener wurden im Vorjahr diesem Bereich zugewiesen. Platz zwei nimmt die Behindertenhilfe ein (2.584 bzw. 19,1). Ebenfalls noch im vierstelligen Bereich sind Aufgaben in der Sozialhilfe (1.716 bzw. 12,7) sowie in der Altenbetreuung (1.190 bzw. 8,8).

Während der Einsatz in Krankenanstalten oder im Katastrophenschutz einen relevanten Faktor darstellt, gibt es Bereiche, in denen Zivis noch eher Exoten sind. Beispielsweise sind nur 27 im Bereich der Justizanstalten tätig, 24 im Umweltschutz und 23 in der Jugendarbeit. An inländische Gedenkstätten wurden 16 Zivis zugewiesen.

Was die Aufteilung über die Bundesländer angeht, ist Wien mit 3.007 Zuweisungen im Vorjahr klarer Spitzenreiter gewesen. Dahinter folgen Ober- und Niederösterreich mit 2.580 bzw. 2.472 Zivis. Die wenigsten Zuweisungen gab es im Burgenland mit 369. Ebenfalls nicht recht angekommen ist der Zivildienst in Kärnten, das bei den Zuweisungen hinter den deutlich kleineren Ländern Salzburg und Vorarlberg liegt. (APA, 27.9.2012)