Madrid - Die Banken des maroden Euro-Landes Spanien bräuchten fast 60 Milliarden Euro frisches Kapital, um für neues Ungemach in der heimischen Wirtschaft gerüstet zu sein. Wie die Regierung in Madrid am Freitag mitteilte, ergab der Stresstest allein für die mittlerweile verstaatlichte Bankia eine Kapitallücke von 24,7 Milliarden Euro. Insgesamt sind es demnach 59,3 Milliarden Euro. Die EU-Kommission begrüßte die Veröffentlichung des Finanzbedarfs als einen zentralen Schritt, um die Branche zur Ruhe zu bringen. Die genaue Hilfssumme für den Sektor werde nun in den kommenden Monaten ermittelt. Die spanische Regierung erklärte, sie werde letztendlich um Hilfen in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro bitten.

Nach den Ergebnissen des Tests braucht die Hälfte der 14 überprüften Institute zusätzliches Kapital. Die bereits verstaatlichten Geldhäuser allein benötigen demnach schon für sich allein 49 Milliarden Euro. Mit den Ergebnissen kann die Madrider Regierung nun ermitteln, in welcher Höhe sie Hilfen der Euro-Partner in Anspruch nehmen müssen. Spanien hat sich bereits eine Kreditlinie für die Sanierung des Bankensektors in Höhe von 100 Milliarden Euro gesichert. Zuletzt war allgemein erwartet worden, dass die Banken davon 50 bis 60 Milliarden Euro benötigen werden, da sie bereits 20 Milliarden Euro zur Stopfung der Finanzlöcher erhalten haben.

Im Rahmen der Erwartungen

Wohl weil die Ergebnisse des Stresstests nach ersten Einschätzungen im Rahmen der Erwartungen lagen, reagierten die Finanzmärkte zunächst kaum. Dort rechnen die Akteure mehrheitlich damit, dass Spanien bald über den Rettungsschirm ESM zusätzlich ein komplettes Hilfspaket beantragen wird, um seine Finanzierungskosten zu senken.

Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zeigte sich erleichtert, dass der Bedarf unter 60 Milliarden Euro bleibt. Die tatsächlich zu leistende Hilfe werde zudem geringer ausfallen, weil sich die Banken nach eigenen Plänen selbst um frisches Kapital kümmern werden. Diese künftigen Entwicklungen wurden in dem Stresstest nicht berücksichtigt, der von einem schlimmstmöglichen Szenario ausgeht.

In dem Stresstest der Beratungsfirma Oliver Wyman wurde ermittelt, wie viel zusätzliches Kapital die angeschlagenen Institute des Landes benötigen, um einen Rückgang der heimischen Wirtschaftsleistung von 6,5 Prozent in der Zeit von 2012 bis 2014 zu überstehen.

Anleger ziehen weiter Geld ab

Durch Schuldenkrise und Rezession beunruhigte Anleger haben indes aus Spanien bereits 13 Monate in Folge Milliarden abgezogen. Wie die Notenbank mitteilte, belief sich der Kapitalabfluss im Juli auf 15 Mrd. Euro und der Gesamtverlust in diesen 13 Monaten auf 331 Mrd. Euro - rund ein Drittel der spanischen Wirtschaftsleistung. Immerhin verlangsamte sich das Tempo damit zuletzt etwas, denn im Juni waren noch rund 57 Mrd. Euro aus dem Land geflossen. Experten warnten jedoch davor, zu viel in diesen Rückgang zu interpretieren, da es sich um sehr volatile Kennzahlen handle. (APA, 28.9.2012)