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Zum 100-Jahr-Jubiläum wird auf den Mont Ventoux verzichtet.

Foto: APA/ Grimm
45 Grad zeigt das Thermometer am 13. Juli 1967. Die Sonne brennt auf den Mont Ventoux, in der Steinwüste des 1912 m hohen "Scharfrichters" weht kein Lüftchen, kein Baum spendet Schatten, als sich gegen 17 Uhr Tom Simpson (29) hinaufquält. Drei Kilometer fehlen dem Briten, sein Blick ist verklärt, das Trikot aufgerissen, sein Wille ungebrochen. Der Weltmeister von 1965 fährt in Schlangenlinien, er wankt, fällt. "Setzt mich wieder aufs Rad. Schiebt mich an", befiehlt er seinen Helfern.

Mechaniker Fernad Tuytens: "Er zitterte. Und einmal, zweimal, dreimal fiel Simpson ohne Gegenwehr vom Rad. Jedesmal wollte er sich wieder in den Sattel setzen lassen. Er war am Ende und konnte nicht einmal mehr die Pedale durchtreten." Er sollte noch 360 m weit kommen, dann brach er zusammen. Tour-Arzt Dr. Dumas eilte sofort hinzu und begann mit der Herzmassage. Es sollte nichts mehr nützen, auch die Mund-zu-Mund- Beatmung durch Mechaniker Hall nicht.

Zwölf Jahre zuvor rettete Dumas dem Bretonen Jean Mallejac das Leben. Simpsons Tod wurde um 17.40 Uhr im Krankenhaus von Avignon festgestellt. Als Todesursache wurde ein Hitzschlag angegeben, Hauptgrund war allerdings Doping, mehrere Röhrchen Amphetamine wurden im Trikot gefunden. Vor dem Anstieg zum Ventoux soll sich Simpson einen Sherry genehmigt haben. Seit damals ist Doping kein Kavaliersdelikt mehr. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 4. Juli 2003, red)