Wien - Einer der aufsehenerregendsten Mord-Prozesse des Jahres hat am Montag am Wiener Straflandesgericht hat wegen zu vielen Erinnerungslücken bei Zeugen mit einem einstimmigen Freispruch geendet. Der heute 66-jährige Angeklagte, dem angelastet worden war, am 16. März 1987 den 31-jährigen Erich Ludwig vor dem Wiener Gürtel-Lokal "Cafe Orient" erschossen zu haben, wurde von den Geschworenen mit acht zu null Stimmen für unschuldig erklärt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Wer der Mann war, der am 16. März 1987 Erich Ludwig vor dem "Cafe Orient" erschossen hat, bleibt weiter im Dunkeln. Auch der damalige Besitzer, der den Täter mit zwei weiteren Lokalgästen verfolgt haben will, konnte dessen Gesicht nicht erkennen. Und selbst wenn: Der Angeklagte erschien ihm ein Vierteljahrhundert nach dem Vorfall ohnehin gänzlich unbekannt. Nur ein Straßenbahnfahrer, der allerdings nicht vor Gericht erschien, gab seinerzeit zu Protokoll, die Tat beobachtet und den Mörder, der in seine Richtung geflüchtet war, aus nächster Nähe gesehen zu haben.

Vom Ausgang des Prozesses zeigte sich weder Richterin Martina Krainz, noch Staatsanwaltschaft und Verteidigung sonderlich überrascht. Dass die Geschworenen nach nur einer Dreiviertelstunde mit acht zu null Stimmen auf Freispruch entschieden, sorgte selbst beim Angeklagten lediglich für ein freundliches Kopfnicken. (APA, 22.10.2012)