Sofia/Wien - Die von der österreichischen Justiz geplagte Meinl Bank braucht etwas Luftveränderung und hat sich den Balkanstaat Bulgarien als neues Operationsgebiet ausgesucht. Das Mutterhaus in Wien gibt sich betont zurückhaltend. Meinl habe lediglich eine Vertretung eingerichtet, um den bulgarischen Markt zu beobachten, sagte ein Sprecher dem Standard. Doch Meinls Mann in Sofia hat große Pläne.

Atanas Kantschew, der als amtierender Direktor der Meinl Bank Bulgarien auftritt, will mit großen alten Rechnungen jonglieren: Bulgariens Millionenforderungen aus sozialistischen Tagen. Mehr als 100 Millionen Dollar, umgerechnet 76 Millionen Euro, soll die Ukraine noch der bulgarischen Regierung schulden für die Mitarbeit beim Bau einer Pipeline in den 1980er-Jahren. Die Meinl Bank kann das regeln, behauptete Kantschew in einem Interview mit der bulgarischen Tageszeitung Standart - für einen nicht unbeträchtlichen Nachlass von 60 Prozent. Das soll Stephen Coleman, einer der Meinl-Direktoren, schon im Juli 2012 der bulgarischen Regierung vorgeschlagen haben.

Ähnlich will die Privatbank demnach mit Bulgariens Forderungen an Kuba verfahren. In der kommenden Woche fliegen die bulgarischen Meinl-Männer auf Einladung der kubanischen Regierung nach Havanna, um über einen Deal zu beraten, so gab Kantschew an. Dieses Mal geht es gar um 350 Millionen Dollar (264 Millionen Euro): Meinl nimmt einen Teil der kubanischen Schulden in Empfang und gibt einen etwas kleineren Teil an das bulgarische Finanzministerium weiter, so lautet der Plan. Weshalb beide Regierungen der Vermittlung einer Wiener Privatbank bedürfen, ist allerdings nicht klar.

Zehn Millionen zum Start

Meinl hatte kurz vor Weihnachten sein Vorhaben bekanntgegeben, in Bulgariens hart umkämpftem Bankenmarkt ein Tochterunternehmen zu eröffnen. Dafür will die Bank zehn Mio. Euro Startkapital bereitstellen. 200 Millionen Euro an Investitionen in angeschlagene bulgarische Unternehmen sollen angeblich innerhalb der nächsten zwei Jahre aufgestellt werden. Mit der Eröffnung der Bank könnte es bis zur Erteilung der Genehmigungen noch bis Frühjahr dauern. Die Meinl Bank in Wien war zuletzt im Dezember von der Justiz durchsucht worden. Dabei ging es um den Verdacht der Untreue bei der Auszahlung einer Dividende. Atanas Kantschew und sein Geschäftspartner Milen Keremedschijew wiederum sollen sich schon seit längeren um die Gründung einer Bank in Bulgarien bemüht haben. (Markus Bernath, DER STANDARD, 4.1.2013)