Bild nicht mehr verfügbar.

Alexander Lebedew gilt als einer der schillerndsten Oligarchen Russlands - und als Verfechter liberaler Ideen.

Foto: reuters/DENIS SINYAKOV

Moskau - Der russische Milliardär Alexander Lebedew will sich aus dem Bankgeschäft zurückziehen. Seine Nationale Reservebank (NRB) steht zum Verkauf. "Ich will im Bereich Journalismus arbeiten", begründete Lebedew gegenüber der Tageszeitung Kommersant seinen Entschluss. Das Bankgeschäft in seiner jetzigen Form sei für ihn uninteressant, führte er aus.

Tatsächlich sind Lebedews Möglichkeiten als Bankier in Russland stark eingeschränkt: Gegen die NRB laufen Untersuchungen wegen des Betrugsverdachts bei der Sanierung einer anderen Bank. Sondereinheiten von Polizei und Geheimdienst durchsuchten - maskiert und bewaffnet - die Büros der Bank, obwohl die eigentlich zuständige staatliche Agentur für Einlagensicherung erklärte, die Behörde mache gegen Lebedew keine Ansprüche geltend. Zugleich verschreckte die Zentralbank Kunden der NRB, indem sie nach einer planmäßigen Kontrolle erklärte, es bestehe Insolvenzgefahr.

Der Imageschaden war gewaltig, die Einlagen der NRB sanken auf weniger als ein Zehntel. Das Eigenkapital, zu dem unter anderem ein größeres Aktienpaket an der Fluggesellschaft Aeroflot (12,5 Prozent) und Gasprom-Papiere gehören, beläuft sich auf nur noch 285 Millionen Euro. Unter diesem Preis werde er die Bank nicht verkaufen, sagte Lebedew, räumte aber zugleich ein, dass es schwierig sei, einen Käufer zu finden.

Flirt mit der Opposition

Lebedew gilt als einer der schillerndsten Oligarchen Russlands. Der 54-Jährige stammt zwar wie Präsident Wladimir Putin aus den Reihen des KGB, doch im Gegensatz zu diesem gilt der Anfang der 90er-Jahre als Wirtschaftsattaché der sowjetischen Botschaft in London gearbeitet habende (und zu Geld gekommen seiende) Lebedew als Verfechter liberaler Ideen.

2003 noch mit dem Versuch gescheitert, den langjährigen Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow abzulösen, sicherte er sich durch Beteiligungen an verschiedenen Medien Einfluss in der Politik. So hält er seit 2008 zusammen mit Michail Gorbatschow 49 Prozent an der angesehenen kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta. Die ebenfalls Lebedew gehörende Zeitung Moskowski Korrespondent musste allerdings 2009 schließen, nachdem das Blatt Gerüchte über eine Scheidung Putins in die Welt gesetzt hatte.

Stattdessen kaufte sich Lebedew später die britischen Tageszeitungen Evening Standard und Independent. Mehrfach meldete sich Lebedew in seinen und anderen Medien kritisch gegenüber der Kremlführung zu Wort. Zudem tauchten Gerüchte auf, dass Lebedew die Opposition finanziere. Zumindest dem Blogger Alexej Nawalny verschaffte Lebedew einen Aufsichtsratsposten bei Aeroflot. Zuletzt wurde die Luft für Lebedew allerdings deutlich dünner. Wegen des steigenden Drucks durch den Geheimdienst werde er seine Geschäfte in Russland aufgeben, kündigte er an. (ab, DER STANDARD, 10.1.2013)