Köln - Eine vergewaltigte Frau soll in Deutschland laut einem Zeitungsbericht an katholischen Krankenhäusern unter anderem deshalb abgewiesen worden sein, weil sie die "Pille danach" bekommen sollte. Laut einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeiger" wurde eine 25-jährige Frau von zwei Kölner Kliniken abgewiesen, beide werden von der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria geführt. Die Frau sei bei einer Party in Köln vermutlich mit K.o.-Tropfen betäubt worden und später auf einer Parkbank zu sich gekommen.

Eine Notärztin habe eine Vergewaltigung nicht ausschließen können und die beiden Kliniken gebeten, mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern. Außerdem wurde der Frau die "Pille danach" verschrieben, die eine Schwangerschaft verhindert, auch wenn vor dem Geschlechtsverkehr keine Verhütungsmittel genommen wurden. Die beiden Krankenhäuser hätten selbst die Spurensicherung abgelehnt, schreibt der "Kölner Stadt-Anzeiger".

Untersuchungen in anderem Krankenhaus

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte am Donnerstag über das Vergewaltigungsopfer: "Wir kennen den Fall und die Frau." Die erforderlichen Untersuchungen seien später in einem anderen Krankenhaus erfolgt. Einzelheiten wollte der Sprecher nicht nennen.

Ein Sprecher der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria konnte zunächst nicht bestätigen, dass das Vergewaltigungsopfer tatsächlich abgewiesen wurde. Richtig sei, dass an katholischen Kliniken eine Notfallkontrazeption, also eine Schwangerschaftsverhütung selbst nach einer Vergewaltigung, grundsätzlich ausgeschlossen sei. Auch Erzbistumssprecher Christoph Heckeley bestätigte gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger, dass dies den theologischen Grundsätzen der Kirche widerspreche. Die Sicherung der Tatspuren sei aber möglich.

CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Heinnen-Esser, die auch Landesvorsitzende der katholischen Schwangerenberatung Donum Vitae ist, sprach von einem Skandal. Krankenhäuser hätten die Pflicht, Vergewaltigungsopfern zu helfen. (APA/red 17.1.2013)