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Burg-Direktor Matthias Hartmann inszeniert sein erstes Elfriede-Jelinek-Stück, eine Uraufführung im Wiener Akademietheater (17.1., 19.30 Uhr). In "Schatten (Eurydike sagt)" weigert sich Eurydike, die Unterwelt an der Seite Orpheus' zu verlassen (im Bild: ein Chor aus Schatten).

Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Wien - Die Bühne, die Johannes Schütz in das Wiener Akademietheater hineingebaut hat, böte zauberhafte Voraussetzungen, Elfriede Jelineks Schatten (Eurydike sagt) auch wirklich zum Sprechen zu bringen. Erstaufführungsregisseur Matthias Hartmann gebietet über sieben Eurydikes. Jede von ihnen nennt eine Kammer mit Boutiquen-Kram ihr Eigen, mit Draht in den leeren Raum gespannt. Worte werden viele gemacht: Die Dichterin leiht einem Puppen-Double ihr resigniertes Seherinnenwort (Nikolaus Habjan). Orpheus (Lucas Gregorowicz), der Dichter als Täter, produziert sich auf einer riesigen Freitreppe als Hanswurst im Balladenfach.

Als begehbare Installation mit wechselnden Sprechern (herausragend: Christiane von Poelnitz) ist der Abend ebenso sinnfällig wie leider absolut blutleer. Das Texttheater der Elfriede Jelinek bedarf heftiger Erschütterungen von außen - notfalls auch der bedingungslosen Gegenwehr. Hartmann lässt den Text einigermaßen gut gelaunt exekutieren. Das schlägt keine Funken, das erweckt falsches Einverständnis. Eurydikes skandalöser Wunsch nach Vergessen und Vergehen wird zu Virtuosinnenfutter kleingeredet und -geschrotet.

Freundlicher, kein frenetischer Applaus nach gut 90 Minuten.   (Ronald Pohl, DER STANDARD, 18.1.2013)