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Japans Regierung will das Atomprogramm wieder aufnehmen, die neuen Sicherheitsstandards könnten ab Sommer gelten.

Foto: Reuters/ISSEI KATO

Tokio - Eines hat Premierminister Shinzo Abe von der Liberaldemokratischen Partei gleich bei seinem Amtsantritt Ende Dezember klargestellt: Das japanische Atomprogramm wird aus wirtschaftlichen Gründen wieder aufgenommen, außerdem soll der von der Vorgängerregierung beschlossene Baustopp für neue Atomkraftwerke aufgehoben werden.

Am Montag hat nun die neue Atomregulierungsbehörde NRA, die es seit September des Vorjahres gibt und die unabhängig vom Industrieministerium agiert, ihre Pläne zur Verschärfung der Sicherheitsnormen für die Atomanlagen des Landes vorgelegt.

Gefordert wird unter anderem eine Ausstattung mit Lüftungssystemen, um im Unglücksfall einen Druckanstieg im Reaktor und damit mögliche Explosionen zu verhindern. Filter wiederum sollen sollen dafür sorgen, dass keine Radioaktivität in die Umwelt gelangt. Weiters sollen Wege gefunden werden, die Kühlsysteme auch im Unglücksfall am Laufen zu halten. In einiger Entfernung zu den Atomkraftwerken sollen Kontrollzentren eingerichtet werden, die die Anlagen auch im Fall einer Zerstörung überwachen können. Sollten die neuen Sicherheitsstandards beschlossen werden, könnten sie bereits im Sommer angewendet werden.

Ultimatum an Behörde

Von den insgesamt 50 japanischen Atomanlagen sind derzeit nur zwei in Betrieb. Premier Abe hat der Nuklearen Regulierungsbehörde bereits eine enge zeitliche Vorgabe gemacht: Innerhalb von drei Jahren müsse die Behörde entscheiden, ob alle 48 zurzeit abgeschalteten Reaktoren wieder hochgefahren würden.

NRA-Chef Shunichi Tanaka sagte in einem Interview mit der Tageszeitung Asahi Shimbun, dass diese Vorgabe nicht zu erfüllen sei. Man brauche mehr Zeit. Zudem werde die NRA keine Atomkraftwerke mehr hochfahren, die über einer aktiven Verwerfungs linie liegen, sagte Tanaka.

Die Mitte-links-Regierung von Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte nach dem schweren Atomunfall in Fukushima alle Atomkraftwerke abschalten lassen, lediglich zwei Reaktoren wurden bisher wieder in Betrieb genommen. Weiters war geplant, bis zum Jahr 2040 komplett aus der Atomkraft auszusteigen.

Bei Umfragen haben sich 90 Prozent der Japaner dafür ausgesprochen. Im Sommer nahmen hunderttausende Menschen in ganz Japan an Anti-Atomkraft-Demonstrationen teil. (AFP, red, DER STANDARD, 22.1.2013)