Wien - Drei Anschläge auf türkische bzw. kurdische Kultureinrichtungen in Wien innerhalb von zwei Wochen haben nun das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) auf den Plan gerufen. Vor allem nach dem bisher letzten Vandalenakt, bei dem am Mittwoch das "Atatürk Kulturzentrum" am Antonsplatz in Favoriten durch Brandsätze schwer verwüstet worden war, laufen die Ermittlungen in alle Richtungen. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen gebe es bis dato jedoch nicht, hieß es am Freitag.

Murat Barlan, Obmann des "Atatürk Kulturzentrums", zeigte sich erschüttert: "Ich habe absolut keine Ahnung, wer da dahinterstecken könnte. Wir bieten hauptsächlich Kultur- und Bildungsaktivitäten an. Und wir unterscheiden überhaupt nicht bezüglich ethnischer Herkunft oder Religionsbekenntnis, wir sind offen für alle, es wird kein Mensch bei uns gefragt, ob er Türke, Kurde oder Österreicher ist. Ich bin strengstens gegen diese Einteilungen. Deswegen ist dieser Anschlag sehr verwunderlich. Aber wahrscheinlich wollte jemand provozieren."

Brändsätze geworfen

Unbekannte hatten am Mittwoch, gegen 3.30 Uhr, zwei große Fensterscheiben eingeschlagen und Brandsätze hineingeworfen. Der Sachschaden dürfte deshalb beträchtlich sein, weil sich in diesem Bereich des Kulturzentrums eine große Bibliothek befand und die darin befindlichen Bücher sofort Feuer gefangen haben. "Gott sei Dank war die Feuerwehr sofort da und hat den Brand schnell gelöscht. Ich tröste mich auch mit der Tatsache, dass niemandem etwas passiert ist", so Barlan.

Bereits 2007 war der türkische Kulturverein am Antonsplatz Ziel eines Anschlags. Auch damals wurden in der Nacht Fensterscheiben eingeschlagen und Brandsätze geworfen. "Es ist aber nicht so viel zerstört worden wie dieses Mal." Barlan betonte, man werde sich von den Vorfällen nicht einschüchtern lassen und das Zentrum wieder aufbauen. Am kommenden Sonntag wolle man dies im Rahmen einer großen Veranstaltung kundtun. Er habe jedoch Verständnis für alle Eltern, die bisher ihre Kinder ins Kulturzentrum geschickt hatten und nun "verständlicherweise große Angst haben". (APA, 25.1.2013)