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Krisenmanagement in der FDP: Augen zu und durch.

Foto: AP/Breloer

Düsseldorf - Die nordrhein-westfälische FDP hat dem wegen Sexismus-Vorwürfen kritisierten Spitzenkandidaten der Partei für den deutschen Bundestagswahlkampf, Rainer Brüderle, den Rücken gestärkt. "Wir begrüßen unseren Freund Rainer Brüderle, hinter dem wir stehen", sagte Landeschef Christian Lindner Sonntag beim Neujahrsempfang in Düsseldorf. Brüderle wurde bei dem Treffen mit prasselndem Applaus und "Bravo"-Rufen begrüßt.

Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle, früherer Parteichef der FDP, sagte, er wisse auch aus persönlicher Erfahrung, dass es nicht leicht sei, plötzlich an der Spitze zu stehen. "Wenn man sich als Freier Demokrat an die Spitze stellt, gibt es in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr", rief Westerwelle. Man dürfe es nicht durchgehen lassen, wenn "Zerrbilder" von Menschen in die Öffentlichkeit transportiert würden. Brüderle selbst ging in seiner Rede nicht auf die Affäre ein.

Die angeblichen anzüglichen Äußerungen von Brüderle einer Stern-Journalistin gegenüber gehen einer großen Mehrheit der Deutschen zu weit: Neunzig Prozent halten nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für Bild am Sonntag eine Entschuldigung für angemessen, sollten die Vorwürfe sich als wahr herausstellen. 45 Prozent sprechen sich dann sogar für einen Rücktritt Brüderles aus - ebenso viele Befragte sehen dafür keinen Grund. Nur jeder Vierte findet, dass es sich dabei um einen verzeihlichen Ausrutscher handelt. (dpa, red /DER STANDARD, 28.1.2013)