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Der Sack wird immer voller und muss daher entleert werden. Wer aber entleert den Spendensack? Da muss Dr. Georg Weissmann her. Der Präsident der Notariatskammer hat sich so im Februar 2003 an die Sackentleerung gemacht.

Weissmann wandte sich an die Magistratsabteilung 62 der Stadt Wien und stellte den Antrag auf Einrichtung der „Karl Heinz Grasser-Stiftung". Zu diesem Zeitpunktwaren 10 000 Euro im Sack. Die Beamten der MA 62 wunderten sich, weil zur Einrichtung einer wohltätigen Stiftung ein Mindestkapital von 70.000 Euro verlangt wird. Also wandte sich die MA 62 an die Abteilung 13 der Finanzprokuratur. Die stellte fest: Die Stiftung muss untersagt werden. Der Finanzminister erfuhr das und gab Weissmannn das Kommando „Voller Sack zurück !" Damit blieb das Geld auf einem Treuhandkonto, das der Präsident verwaltete. Grasser referierte und kassierte weiter. Bald war der Sack mit 25 000 Euro gefüllt. Dann machte ich die Honorare samt der Steuerpflicht des vortragenden Ministers bekannt. Weissmann bekam auf der Stelle einen neuen Auftrag und der Minister gab bekannt: ein Sozialfonds ist in Gründung.

Wann ist ein Sozialfonds nach dem Stiftungs- und Fondsgesetz „in Gründung"? Ganz einfach: Gleich, nachdem der Antrag mit einem Fondsvermögen von mindestens 40 000 Euro bei der MA 62 gestellt worden ist. Bis heute ist kein Antrag eingelangt. Bis heute ist kein Grasser-Fonds „in Gründung". Stiftung, Fonds alles ein Schwindel. Aber wo ist dann eingezahlt worden?

Die Bank Austria glaubt bis heute, im Februar 7000 Euro an die Karl Heinz Grasser-Stiftung überwiesen zu haben. Es gibt aber nur eines: ein Treuhandkonto, für das der Finanzminister Treugeber und damit steuerpflichtig ist. Und es gibt die Absicht von Karl Heinz Grasser, sobald wie möglich die fehlenden 15 000 Euro aufzutreiben. Also wird Karl Heinz Grasser weiter nach jedem Referat auf den Bankdirektor zugehen und ihn darauf aufmerksam machen, dass es da ein Konto gäbe und er sich eine bestimmte Summe vorstellen könne. In aller Mildtätigkeit natürlich.